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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
135
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i-r DrittesBuch,

Mittel heilt. Er verschreibt in einer Verhüttung de§Harns das Harntreibende Recept, unwissend dasder Kopf des Kindes den Blasenhals schließt, unddaß in diesem Falle ein Harntreibendes Mittel tödt.Ein Arzt der die Umstände einer Krankheit nicht ge-nau steht, bemerket nur einen Theil dieser Umstän-de, er zieht aus einer unvollkommenen Beobachtungunvollkommene Schlüsse, weil er stch an dem hältwas er steht.

Dr Arzt der alle Umstände einer Krankheit steht,der Arzt der nichts sieht, der Arzt der sie nur halbsieht, der Arzt der nichts als seine Vorurtheile steht,müssen nothwendig ungleicher Meynung seyn, unddoch schwört jeder auf seine Erfahrung. Die wi-dersprechendesten Meynungen werden durch diesenMachtspruch erhärtet. Man zankte sich über dieUnempfindlichkeit der Sennen und der Beinhautvon Moscau bis nach Ragusa; eine Parthey sprachdie Sennen sind unempfindlich, wir berufen uns aufdie Erfahrung; die andere sprach die Sennen sindempfindlich, denn der Herr von Haller ist ein Lu-theraner ; alle hatten Experimente gemacht. DerMensch vertheidigt bis in den Tod was er glaubtgesehen zu haben, unbekümmert ob er zum sehen ge-schickt war. Ein Trunkener spricht, Hauß und Kel-ler tanzt um mich, ich habe es aus der Erfahrung;ein abergläubischer Mensch spricht, es giebt Hexen,ich habe es aus der Erfahrung. Die Natur derKrankheiten, die Kunst siezn heilen, die Kräfte derMittel, werden von dem der sie kennt und von dem