zweytes Capitel. r;r
ftey geblieben. Die einen machen ihre Beobach-tungen bey dem Pulte, und dichten der Natur ihreVornrtheile an. Andere sind von den Gesetzen nachwelchen sie ihre eigene Gesundheit erhalten und ih-re eigene Krankheiten heilen, so sehr bezanbert, daßsie alle Menschen nach diesen Gesetzen regieren wol-len. Andere dünkt es eine beliebte Arzney sey inalle» Krankheiten gut, weil sie in einer gut war.Durch ihre Hypothesen verwildert sehen die meistennichts als ihre Hypothesen, ein Stahliancr nichtsals seine Seele und ihre Hämorrhoiden, wie einVerliebter nichts als sein Mädchen. Der scharf-sichtigste Beobachtungsgcist ist nicht zulänglich, so-bald man einer Hypothese zulicb beobachtet.
Es kann mir nicht unbekannt seyn daß es Fällebey der Ausübung der Arzneykunst giebt, in wel-chen mir Verstand gemachte und gebrauchte Hypo-thesen nöthig sind. Wir müssen die Cur einer Krank,heit jedesmal nach einer Hypothese unternehmen,wenn uns ihre nächste Ursache nicht bekannt ist.Indeß sind die willkürlichen Systeme von dem Ur-sprung und den Ursachen der Krankheiten dennochdie vornehmsten Hindernisse der Erkenntnis der Krank-heiten , und folglich die Hindernisse ihrer Heilung.Die Chimisten sind seit den Zeiten der Araber dieverdammlichen Stifter der Secte die alle hitzigeKrankheiten durch den Schweis austreiben will, fürjede Krankheit ein besonderes Gegengift hat, in al-len Fiebern Herzstärkungen giebt, und darum dieAderläste, die Clisticre und die kühlenden Mittel