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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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145
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r;r Drittes Buch,

verwirft. Diese Secte zu welcher sich der ganzedumme Theil des weiblichen Geschlechtes geschlagen,hat nur allein in den Kinderpocken mehr Menschenumgebracht als Alexander.

Boerhaave bezeuget, man erstaune und schämesich selbst der Thorheiten, die der lügenhafte Schwärmder Chimisten ausgehecket, der Fabeln, des Aberglau-bens , der Unwissenheit und des Wahnsinns in denSchriften des Paracelsus, des van Helmont undihrer Nebenbuler. Niemand ist darum weniger,hig gewesen die Krankheiten zu beobachten als dieChimisten, weil niemand von der Oeconomie desKörpers willkürlichere und verkehrtere Begriffe ge-habt.

Andere Aerzte waren aus andern Ursachen blind.Chirac glaubte daß die Pest nicht anstecke; Chicoi-neau nahm diese Meynung aus Gefälligkeit gegenseinen berühmten Schwehcr an. Marseilles mußteein weites Grab werden, eh die Französischen Aerz-te sahen daß die Pest ansteckend ist.

Wenige suchen die Natur in der Natur, wenigefolgen dem einsamen Pfad der in ihr Heiligthumleitet, wenige sind derselben getreuer als ihren Mey,nungen. Den wenigsten kann man das Lob geben,daß sie niemals bejahet was die Natur verneinet,daß sie niemals gesagt was sie nicht gesehen , daßsie niemals das schcnswürbige versäumt, daß siedie Natur aus der Natur beschrieben, und nicht ei-ner hinfälligen Hypothese zulieb vcrdräht und v»r-ändert haben.