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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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154
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zweytes Capitel.

dachten, die durch keinen Strahl von Wissenschafterläuchtet, von dem aufgeklärter» Theile der Weltdurch ihre thörichte Selbstgenügsamkeit abgerissen,blind bey dem Lichte des Jahrhunderts sind, undin dieser Blindheit ein nuzenloses Leben armseligHinleben. Die nöthige Gemüthsstille sticht fern vonihm weg, wenn er unter diesen den Weg zur Wahr-heit und zur Kenntnis des einzigen Guten verach-tenden Menschen für die Archive der Wahrheit dieoffenbarsten Feinde der Wahrheit gehalten steht, diedurch seine guten Erfolge gemartert, durch seine ge-ringsten Unglücke aufgeblasen , ihn bald mit abge-worfener Larve, bald wie die Pestilenz im finsternverfolgen, er heile oder heile nicht. Er kann nichtsehen und nicht denken, weil ihm die gebietherischeUnwissenheit und der tobende Unstnn die Kraft zusehen und zu denken raubt.

Der glückliche oder unglückliche Ausgang einerCur hängt darum bey einem Arzte der ein zartesGefühl hat , oft von der Art ab wie der Krankeoder die Umstehenden ihm begegnen. Die Billig-keit erhöhet seinen Geist, vermehret seine Aufmerk-iamkeit und seine Scharfstcht; sie giebt ihm eineHeiterkeit und wieget ihn in eine Stille die seineverborgensten Kräfte entwickelt und zum Besten desKranken wirksam macht. Die Unbilligkeit schlägtihn nieder. Er betrachtet mit wehmuthvollemHerzen die Vorurtheile und Leidenschaften seinerFeinde als so viele aus einem schwarzen Abgrundauf ihn blickende Teufel. Alle seine Seelenkräfte