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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
160
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drittes Capitel.

lehrt, und ohne Erfahrung erfahren. Unfre Beo-bachtungen sind nicht fleißig genug gemacht , weilsie nicht fleißig genug wiederholet sind; die Altenwaren weifer als wir, weil wir müßiger sind alssie. Herr Professor Hahn in Utrecht hat daher mitdem grösten Rechte gewünscht, daß man in unfernZeiten eine Academie errichtete, deren einzige Ar.beit wäre anderer Beobachtungen und Erfahrun-gen zu wiederholen, die unvollständigen zu vollenden,die verdorbenen auszubessern, die schlechten und fal,schen zu verwerfen, und zuletzt die guten und prob.hältigen, den Schülern der Natur zur beständigenZuflucht, in eine Sammlung zu bringen. Ba.con foderte eine erfahrende Academie, Hahn einewiederkäuende.

Gute Beo-bachtungen müssen mit Aufrichtigkeitgemacht seyn , wenn auch diese Aufrichtigkeit zutaufend Zweifel» führte. Sie sollen enthalten wasder Arzt gesehen hat, und er soll lagen wie er esgesehen hat, damit andere die nach ihm kommeneben dastehen, noch weiter dringen, und allenfallsseine Fehler verbessern können. Die meisten Aerztesind gewohnt die bejahende Seite der Dinge zu ent-decken , die verneinende zu verbergen. Den einen»st es zur Natur geworden die Sache zu sagen dienicht ist» sie wollen durch die Liebe eines hinfälligenGewinnes bcthöret andre bekriegen , und bekriegenzuletzt niemand als sich selbst ; die Zeit entdeckt sie,das heranbringende Licht zeigt ihre Blösse. Anderesagen nur die Wahrheit, wenn sie ihren Ruhm be.