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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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161
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Drittes Buch,

fördert, und begreifen nicht daß es weit rühmli-cher ist feine Unglücke zu erzählen als feine bestenErfolge, und daß derjenige der einen Fehler be-kennt nur mit andern Worten sagt, er sey heuteweiser als gestern. Einem Arzte der edel denkt solles eben so wenig schwer fallen, der Welt zu gestehendaß er im Irrthum war, als es itzt einem Wie-land schwer fiele zu gestehen, daß er den Horaz demPlato , den Chaulicu dem Doung, die Arien desGaluppi der Harmonie der Sphären, den Tokayerder Hungaren dem Nectar der Götter, und einewohlbeleibte Phillis einer ätherischen Panthea vor.zieht.

Gute Beobachtungen dörfcn nicht immer seltenseyn. Nicht alles was die Neugierigkeit sättigt be-fördert den Nutzen. Die Wahrheiten der Natur-lehrer und der Aerzte sind nicht wie schlechte Mün-zen , dumme Handschriften und erbärmliche Bücher,blos wegen ihrer Seltenheit kostbar; ihre Wichtig-keit macht ihren Preis. Bacon erlaubte in der Na-turgeschichte den gemeinsten Beobachtungen einenPlatz, weil man am meisten verabsäumt was mantäglich sieht. Jede Beobachtung ist wichtig, wennsie einen Ring der grossen Kette giebt, an welcherman auf den Wegen der Jnduction zu unumstöß»lichen Wahrheiten steigt. Ein Arzt der die Heilungder gemeinsten Krankheit durch gute Beobachtun-gen festsczt, thut zum besten der menschlichen Ge-sellschaft weit mehr, als ein Arzt der nur auf un,gewohnte Beobachtungen losgeht, die zwar immer