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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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215
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-o2 DrittesBuch,

Zeichen sind so zweydeutig, daß sie verschiedene Gat-tungen bezeichnen. Die meisten Gattungen werdennicht so sehr durch eigene und entscheidende Zeichenals durch den ihnen eigenen Zusammenhang vonZeichen kennbar. In vielen Fällen ist dieser Zu-sammenhang klar, darum glauben schlechte Köpfeer sey immer klar, und darum kleben diese Köpfesobald eine Krankheit nicht gerade in die Augen fällt,oder durch die geringste Zweydeutigkeit und die kleni-ste Verwicklung verborgen ist, an der Wand.

Selbst die besten Aerzte sind bey der Untersuchungder Krankheiten oft verlegen, weil ihre Merkmaleoft so undeutlich oder so sehr verwickelt sind , daßes unmöglich ist in einer kurzen Zeit sie zu entwi-keln. Es giebt Zeichen die verschiedenen Krankhei-ten gemein sind, ein Arzt der alle Zeichen einer ge-gebenen Krankheit findt, glaubt er sehe diese Krank-heit, und dennoch ist es möglich daß er sie nicht sieht.Es giebt Krankheiten in welchen eine Verwicklungüberhaupt bey dem ersten Anblick deutlich wird,aber darum ist man noch nicht fähig diese Verwick-lung zu bestimmen. Man kann in einem gegebenenFalle nicht entscheiden, ob mit diesem Falle der Ue,berrcsi einer Lustseuche verwickelt sey wenn der Kran-ke läugnet , daß er jemals die Lustseuche gehabt,oder wenn er dem Arzte nicht Zeit läßt die Folgendieses Falls zu beobachten. Die Arzneykunst hatdarum wie die Staatskunst und die Kriegskunst un-endliche Schwierigkeiten, weil man oft an das küns-