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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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324
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achtes Capitel. ;n

sich gar nicht, andere sehr wenig, andere viel, an-dere mit Heftigkeit, andere rasen indem sie klage».Der Arzt wäre sehr betrogen, wenn er aus diesemso sehr verschiedenen Urtheil über die gleiche Wir-kung jedesmal auf eine Verschiedenheit in der Krank-heit schloß, weil die gleiche Krankheit der grossenVerschiedenheit der Temperamente ohngeachter, indem grösten Geiste und dcm grösten Dummkopfgleichist, obschon sie weder gleich empfunden noch gleichbeurtheilt wird.

Erst denn läßt sich in schmerzhaften Zufällen dieGrösse des Uebels bestimmen, wenn man zum vor.,aus unterrichtet von dem Temperamente des Kran.kcn, weis wenn er zu wenig oder zu viel sagt. Ichhabe Männer gesehen, die mit dem feinsten Gefüh-le in allen übrigen Umständen des Lebens begabtund geplagt, in den heftigsten Anfällen des Podag-ra schlechterdings in ihre Bettlachcn bissen, damitsie den Ausdruck ihrer Schmerzen verbergen. Hin-gegen habe ich Weiber gesehen, welche die sehrmäßigen Schmertzcn von einem Blasenpjlaster be-urtheilten , wie man auf einen brennenden Schei-terhaufen geworfen, seme Flammen beurtheilt. Je-ne waren eine Gattung Philosophen, diese Furien.

Dem gleichen Menschen scheint die Erde eineWüstency, wenn seine Nerven schlapp sind. Aberdie Flure» bieten ihm ihre Blumen an, für ihnleuchtet die Sonne , für ihn schallt der gesangvollcHain, wenn seine Nerven ein flüchtige Stärke em-pfinden. Er rst im eigentlichsten Sinne gesund,