Drittes Buch,
physischen Ursachen triumphircn. Wie mehr dieSeele des Kranken die Bemühungen des Arztes be-günstigt , desto grösser ist die Hofmmg des Arztes.Wie mehr Einfluß die Reden des Arztes auf dieSeele des Kranken gewinnen , desto richtiger kannman schließen, daß es Krankheiten giebt, die sich durchWorte lindern lassen.
Dieser Schluß ist auf die Erfahrung gegründet.Man weis wie viel in Gemüthskrankheiten aufeinenArzt ankommt , der Ruhe und Vergnügen in al-len Zeiten zum Dienste mitleidenswerther Krankenunterbricht; der es für den Hauptgegenstand feinesAmtes hält ihre Leiden zu fühlen; der das Gemüthdes Kranken nach allen feinen Wirkungen, und die-se nach allen ihren Ursachen durchdringt; der bieg-sam genug ist immer nach den Umständen mit demKranken zu reden und zu handeln, feinen: Elend sichzu unterwerfen und sein kleinmüthiges Wesen zu ver-tragen ; der es in feiner Gewalt hat zu schweigen wennalles reden umsonst ist, durch Sanftmuth das Ge-müth zu zwingen, wenn alle Stärke kraftlos ist,und durch edle und zärtliche Gesinnungen, das Herzzurühren wenn es diesen Gesinnungen, wie die all-zulange mit dem Trauerkleidc des Winters umhäng-te Erde der jungen aufsteigenden Frühlingsblume sichöfnet; der endlich an der Brust der Musen ausge-wachsen voll Gefühl füll alles was schön und großist, in: Nothfall feine Aufmunterungen durch dieMacht einer einnehmenden Beredsamkeit unterstützen,und durch alle Künste einer schönen Einbildungskraft