124 Drittes Such,
scheinen. Er sagt, in der Wassersucht, die doch ei-ne höchst verderbliche Krankheit sey , bemerke maneine Verträglichkeit und eine Gedult, die nicht ausFreudigkeit, nicht aus guter Hofnung wie bey den-jenigen entstehe denen alles nach ihrem Willen geht,sondern aus der Natur der Krankheit. Ich lese aneinem andern Orte bey diesem grossen Arzte, es seybewundernswürdig, daß in dem einzigen Blutspeyenwelches eine schlimme Krankheit ist, die Menschenden Muth nicht verlieren, da sie doch immer in derGefahr sind. Aretäus setzt sehr wohl hinzu, er glau.be die Unempfindlichkeit der Lungen sey die Ursachedieser Gelassenheit, denn jeder Schmer; so klein erauch immer ist erweckt die Furcht des Todes, Ichhabe die gleiche Bemerkung oft in Leuten mit Brust-geschwüren gemacht , die bis auf ihre letzte Stun-de immer hoffen. Endlich bedeutet die plötzlicheStille und Gelassenheit in einer sehr schmerzhaftenund die Seele ängstigenden Krankheit, was die plötz-liche Verschwindung der Schmerzen in einer Entzün-dung der Därme, den Tob.
Gleichwie in dem Wahnwitz die plötzlich wieder-kommende Vernunft den Tod bedeutet, so bedeutetin einer riefen Mclancolie die plötzlich wiederkom-mende Vernunft zuweilen den Wahnwitz. Ich binder Arzt von einer jungen , äusserst scharfsinnigen,aufgeklärten und licbenswcrthen Dame gemessn,die viermal, eh ich sie kennen gelernt, das Unglückhatte wahnwitzig zu werden. Einige Jahre daraufbefand sie sich sehr wohl, ihr Geist glänzte weit um-