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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
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336
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achtes Capitel. zrx

eine Beredsamkeit, die lebhaft rührend und natür,lich,dem harmonischen Gesang der sterbenden Schwa,neu, und den letzten Wünschen eines Patrioten gleicht.Ich habe eine Person gekennt, deren letzte Krank-heit ein Wahnwitz gewesen , die aber einige Stun-den vor ihrem Tode vollkommen vernünftig, ihrHerz mit einem solchen Feuer, mit einer so sehr ent-zückenden Beredsamkeit im Gebete zu Gott erhub,daß vor der Grösse ihrer Gedanken und der Stärkeihres Ausdrucks der Erdball wie ein Sandkorn zuverschwinden schien. Am Ende dieser Rede neigtesie ihr Haupt, und starb.

Aller dieser Wahrnehmungen ohngeachtet ist einheiterer Gemüthszustand in Krankheiten ein gutes -Zeichen. Das angeführte Zunehmen der Gemüths,kräfte ist in den beschriebenen Fallen schlechterdingsein Vorbote des Todes , aber es ist von der Stoi-schen Heiterkeit sehr verschieden. Anstat durch dieErhöhung der Einbildungskraft zu diesem Standeder Heiterkeit zu gelangen , würde man vielmehrihn verfehlen , weil diese Erhöhungen aus Ursachenfliesten, die den Ursachen eines heitern Gemüthszu-stands ganz entgegen gesetzt sind. Jene haben et-was überspanntes. Diese sind sanft und still.

Es giebt aber auch noch andere Fälle, in welchendie Gelassenheit unter die gute» Zeichen nicht gehört.Arctäus der Cappadocier hat sehr scharfsinnig be-merket, daß nicht nur die Leidenschaften Krankhei-ten wirke» , sondern daß auch die Krankheiten Ge-müthsumstände wirken , die ihrer Natur zuwider