Drittes Buch,
So hatte sie über ein Jahr in der Einsamkeit, imGebete, in dem Umgänge mit einem schwermüthi-gen Geistlichen , und in der Verzweifelung gelebt,da sich eines Tags auf einmal ihre Melancholieverlohr. Sie erkannte daß ihre gehabten Grund-sätze, die daraus gezogenen Schlüsse, und die gänpliche Abänderung ihrer vorigen Lebensart , leidi-ge Wirkungen einer verworrenen Einbildung ge-wesen. Sie machte nunmehr einen ganz verschie-denen , vernünftigen und ihren Umständen ange-messenen Lebensplan. Sie äusserte in allen mög-lichen Absichten ihren ehmaligen Scharfsinn, undihren weit umhersehenden Verstand, nur lachte siezuweilen etwas unnatürlich. Nach dreyen auf die.se Weise zugebrachten Tagen verfiel sie in den fürch-terlichsten Wahnwitz.
Man sieht wie weit umher die besondern Zeichender Krankheiten, ihrer Abänderungen und ihres Aus.gangs verbreitet sind. Ich habe nur wenige hiergesammelt. Die Natur ist zu groß, und mein Geistviel zu klein sie zu umfangen.
IX. Capitel.
Von dem Einflüsse der Beobachtungskunst aufdie Erfahrung.
D.
'as System einer Krankheit wird durch die Be-obachtungskunst allein nicht gefunden, weil man