Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
364
JPEG-Download
 

erstes Capitel. ;,i

jenigen in einer Kunst die so sehr verboten ist, dieso auserlesene Talente fodert, mit dieser Durchdrin-genheit sehen können, weiche in allen übrigen Ver-richtungen des bürgerlichen Lebens beweisen wiearm sie am Geiste sind? Indeß erfahren wir alleTage wie viele alberne Kerls sich rühmen, ohnedie geringste Mühe zu der Erkenntniß dieser rrha,denen Kunst gelanget zu seyn. Wir erfahren alleTage, wie sie aus dem Mangel eben dieser Erkennt-nis die einst von ohngcschr betretene Bahn hartnä-ekig behaupten und gleichsam in dem gleichen Kreiseumhergedräht, ohne den geringsten Fortgang nutzen-los veralten.

Nicht alle Theile der Arzneykunst fodern gleichvielGenie. Die Anatomie, die Botanick und die Kennt-nis der Arzneyen fodern mehr Zeit als Genie; diePhysiologie, die Pathologie , die Semejotick mehrGenie als Zeit; die Praxis am wenigsten Zeit undam meisten Genie. Unter den angrenzenden Wis-senschaften verhält sich die Chirurgie zu der Arzney-kunst wie die Geometrie zu der höhern Physick. Ei-ne Wissenschaft oder Kunst ist selten über die gemein-sten Talente heraus, wenn sie blos durch die zurei-chende Anwendung der Sinne auf jeden besondernGegenstand erlernt wird, oder aus den allercinfach-stcn Grundsätzen fließt.

Die eigentliche Arzneyknnst, die Kunst die Krank,heilen zu lindern und zu heilen, ruht fast ganz aufauf dem Genie, und dieses geht oft für Gelchrsam-keit und Erfahrung. Man fodert von einem Arzte