Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
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367
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viertes Buch,

Man sagt sehr oft, die gelehrtesten Aerzte seyenin der Ausübung der Arzncykimst die unglücklich-sten. Ich werde diese Sage in dem dritten Capi-tel dieses Bnchcs erklären , und in dem ersten Ca-pitel des sechsten BucheS beantworten. Allein esgiebt nach meinen Grundsätzen doch wirklich Falle,in welchen ein gelehrter Arzt allerdings ein sehr un-geschickter Arzt wäre. Ein Arzt der nichts alsein Gcdachtnisgelehrtcr ist kann sehr gelehrt nnd sehrdumm seyn, weil nun die geschickte Ausübung derArzneykunst am meisten von dem Genie abhängt,so begreift man daß ein dummer Arzt in der Aus-übung der Arzneykunst sehr unglücklich seyn kann.Warum machen zuweilen halbgelehrte , oft unge-lehrle Aerzte, und nicht selten Leute die gar kerneAerzte sind, gute Euren ? Sie haben Genie. Aberwarum machen zuweilen halbgelehrte, oft unge-lchrte Aerzte, nicht selten Leute die gar keine Aerz-te sind , und alle das Siegel der Dummheit aufderStirne tragen, gute Euren? Verschiedene Umstän-de an welchen sie den geringsten Antheil nicht haben,verbinden sich diese Euren zu wirken.

Das Genie geht nicht immer für Gelehrsamkeitund nicht immer für Erfahrung Aber weil beyder gleichen Auferstehung , bey gleichen Studien ,bey gleicher Gelehrsamkeit , bey gleicher Gelegen-heit Kranke zu sehen, ein Arzt der Genie hat him-melweit über den andern erhaben ist, der keineshat; weil man in zweifelhaften Fällen sich alle-mal mit dein Genie durchhilft , und weil ohne