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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
368
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erstes Capitel.

Genie die Erfahrung unmöglich ist , so darf auchein junger Arzt nicht alt seyn um ein grosser Arztzu seyn. Jeder junge und geistvolle Arzt kann nacheiner Praxis von einigen Jahren einem uralten Prac,ticus mit den: zwanzigjährigen Alexander sage» ,Demosthenes hieß mich ein Kind da ich in Jllyri-en und in dem Lande der Tnballen war, er nann-te mich einen Jüngling da ich mich in Thessaliengezeiget , ich muß ihm unter den Mauren von A-then beweisen daß ich ein Mann bin.

Obschon es unmöglich wäre eine Arznenkunst zuschaffen wie Pascal eine Geometrie schuf, so wirdman dennoch zu der Arznenkunst geboren wie zu derStaatskunst und der Kriegskunst , weil das Geniein seiner ersten Anlage so glücklich sey» kann daß esfür eine Wissenschaft gemacht scheint, sobald es dar,auf verfällt. Fremd sagt, alles studierens ohngr-achtet werde niemand ein wahrer Arzt, wenn ernicht gewisser Massen hierzu geboren sey; denn esfinden steh in der Arzncykunst so viele schwierige undsubtile Dinge, die durch keine Lehrsätze ganz gezei-get und durch keine Erklärungen völlig einqcflössetwerden können, wir lernen vieles in den Schriftender Aerzte , wir können niemals genug lesen, unddoch müsse vieles dem Scharfsinn überlassen werden,den uns allein die Natur giebt.

Gemeine Seelen kriechen langsam zum Ruhme,aber grosse Seelen tragen auf einmal vollkommeneFrüchte. Prosper Alpinus ist nicht älter als einnnd dreyßig Jahre gewesen da er aus Egypte» zu-