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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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373
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viertes Buch/

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dieses Gesel; noch in Assyrien / und wie Strabo sagt/auch bey den Lusitaniern und Asturiern. Ein Vor-beygebender frug was habt ihr für eine Krankheit,man antwortete ihm, ein hitziges Fieber ; er erin-nerte sich daß er oder jemand von den Seinigen aufeine ähnliche Art krank durch dieses oder jenes Mit-tel geheilt worden, und zeigte es an. Die ganzeArzneykunst ruhte in diesen Zeiten so sehr auf derAnalogie, daß Melampus der die Schafe von derschwarzen Nieswurz fressen und darauf purgierengesehen, diese Arzney sogleich zu den Menschen über-trug. Ebenso vermuthet man, daß die glücklichenBlutverlüste in hitzigen Fiebern Gelegenheit zu derAderlässe gegeben , deren erstes Beyspiel man beydem Stcphanus aus Byzanz von dem Podalirinsliest. Hippocrates verband zuerst die Analogie miteiner strengen Vepnunftlehre , und selbst diejenigenEmpiriker welche alle Vrrnunftfchlüsse so eifrig ver-dammten, folgten ihr heimlich.

Die Analogie hat allerdings ihre Vortheile, wennman sie den Gesetzen einer strengen Vernunftlehreunterwirft, und nur aus dem was den Sinnen undder Vernunft deutlich ist , das ähnliche entwedervermuthet, oder darüber ein Urtheil wagt. Wirwerden durch dieselbe des Errathens und jdgar desVorhcrfehens fähig, welches sich allemal auf dieGrade der Wahrscheinlichkeit stützen muß. Schwan-kende Merkmale und von andern unentdeckte Ver,hältnisse sind oft der Grund über welchen ein scharf-sinniger Geist von dem bekannten zn dem unbekann-