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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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688
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ei Ist es Capitel. 67;

Die wunderbarsten Grillen nehmen bey dem Heim-weh überstand. Alles Zureden, alle Arzneyen, alleStrafen sind unnütz, wenn man den Willen desKranken nicht erfüllen kann. Bey der schon erfolg-ten Abzehrung ist es auch zu spät diesen Willen zuerfüllen, weil Herr Auenbruckcr sehr viele an demHeimweh Hingestorbene geöfnet und gefunden, daßdie Lungen dichte mit dem Brustfell verwachsen undein Theil derselben ganz verhärtet und mehr oderweniger eitcrigt gewesen. Hingegen thut die plötz,lich aufblühende Hoffnung Wunder in dem Heim-weh , wenn es nicht schon in eine gänzliche Abzeh-rung oder in einen gänzlichen Wahnwitz übergegan-gen ist. Ein Schweitzer aus dem Canton Bern, dervor mir die Arzneyknnst in Göttingen studirte, solldaselbst in dieser leidigen Krankheit auf den hübschenEinfall gerathen seyn, die gröste Pulsader im Leibewolle ihm verfpringen Darum getraute er sich fastgar nicht mehr fein Zimmer zu verlassen. Aber dengleichen Tag als er von seinem Vater zurückberufenward, hüpfte er ganz Götlingen im Triumphe durch,nahm von allen seinen Bekannten Abschied, undden dritten Tag bestieg er mit der ausserordcntlichstenMunterkeit den Winterkastcn in Cassel, da er dochzween Tage vorher bey dem Anblick der kleinstenTreppe in Göttingeu den Athem aus dem Bauchezog. Ebendicfcr zarte Schweitzcr ward nachher vonseinem Vater auf die Universität in Basel, und end-lich in das schönste Land von Europa den längst demGenfersee gelegenen, Französischen Theil des Can-