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Viertes Luch,
phische Geist entscheidet unsere Thaten, und begei-stert unsere Schriften. ES ist eine von wenigengefühlte, und von den meisten beneidete WollustThaten zu verrichten du man beschreibt, oder Wer.ke zu schreiben die man liest. Fähig dieser Wollustschränkt man seinen Geist nicht mehr auf die Leutedie bey unserm Fenster vorübergehen, auf den Ortseines Aufenthaltes, auf sein eigen Leben. ein. Manbreitet ihn auf den Aufenthalt und das Leben desganzen vor den Augen der Beobachter aller Jahr-hunderte vorübergegangenen menschlichen Geschlech-tes aus, und bestrebet sich auch den, schnellen Au-genblicke seines Lebens in den Geschichtbüchern desmenschlichen Geistes eine Stelle zu erwerben. Werdie Fähigkeit das Gute zu thun, und die Wahrheitzu sagen, oder zu schreiben hat, und nicht thätigmacht, gleicht dem Narr der seinen Harn zurück-hielt, damit er die Welt nicht überschwemme.
Ader dieser Trieb nach Erkenntnis und thätigerWissenschaft, dieses anhaltende und unausgefezteBestreben nach neuen Ideen, wird auch eine Quellevieler Uebel. Menschen die mit den Händen immerarbeiten und niemals mit dem Kopfe scheint zwarganz unbegreiflich, daß ein Gelehter der den ganzenTag sizt, liest, denkt und schreibt, seinen Körperunendlich mehr entkräftet, als ein Bauer der denganzen Lag pflüget; aber es ist darum nicht weni-ger wahr, obfchon es kurzsichtige Köpfe nicht begrei-fen. Der Leib wird durch die allzustarken Arbeitendes Geistes ermattet, der Geist durch die allzustar-