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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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698
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zwölftes Lapttek.

km Arbeiten des Leibs. Die immerwährende Wirk-samkeit des Geistes, und die damit verbundeneRuhe des Körpers, macht den Körper unendlichschwach; die immerwährende Wirksamkeit des Lei-bes , und der damit verbundene Stillstand des Gei-stes , macht den Geist unendlich schwach. Darumermüdet die geringste Meditation den Pöbel, darumermüdet die geringste Uebertreibung seiner Leibes-kräfte den Gelehrten.

Der Pöbel sieht nur was in die Augen fällt.Alle abstracte Kenntnisse, und folglich alles waSman durch den Verstand sehen muß, ist für ihnverloren. Den ganzen Tag schmieden und feilenscheint ihm Arbeit, den ganzen Tag lesen und den-ken scheint ihm Müßiggang. Man sieht die Verän-derungen nicht, welche durch die allzustarkc Anstren-gung des Geistes in dem Hirnmark und daher indem ganzen Körper entstehen, aber man fühlt sie.Der Kranke beklagt sich über dieses Gefühl, derArzt vergleicht die Würkung mit der entfernten Ur-sache, und sieht durch seinen Verstand die nächste.Das Hirn ist bekanntlich der Werkzeug durch dendie Seele denken muß, und es ist zugleich unendlichzart. Man darf also nicht fragen, ob die zartenFasern des Hirns von einer allzustarkcn Anstren-gung nicht so sehr ermatten sollen, als die grobenMuskeln des Bürgers oder Bauers durch die Ar-beit beym Ambos, oder auf dem Felde. JederTheil des menschlichen Körpers wird bekanntlich aufeinmal matt, sobald er ohne eine abwechselnde Ru-