6-4 viertes Buch,
verschiedenen GesichtSpunctcn zu betrachten. - Beyeinigen wnd blos die Aufmerksamkeit, bey anderndie Einbildungskraft zu sehr angestrenget, bey an-der» baS Genie. Obwohl Leute von Genie denNervcnkrankh.itcn am meisten unterworfen sind, sosieht man doch das durch die Ucderfvannung derAufmerksamkeit Leute davon nicht frey bleiben, diezwar ohne Anfvrache auf das Genio zuweilen so !nützlich sind als Leute von Genie.
Eine überspannte Aufmerksamkeit macht schwacheKöpfe dümmer als sie es wir lieh sind, weil sie aufeinmal nur sehr wenige Ideen übersehen, undgleichwol alle Kräfte ihres kleinen Geistes dazu an-wenden müssen. Hingegen ist die Ansmcrksamkeiteiner Person von Genie zuweilen so wenig begren-zet, daß sie alle mögliche Ideen auf einmal-umfangt,und ihre Nerven gleichsam auf einmal zerrcist. Ichhabe eine geistvolle Schweitzcrischc Dame von dreif-sig Jahren gekannt, die schon in ihrem fünfzehntenJahr den ganzen Wolf und den ganzen Leibniz imKopfe hatte, obfchon sie damals nicht begreifenkonnte, wie mau einen Strumpf macht. Der Zeit-punkt des Affectes und der ausscrordentliehen Be-wegung war bey dieser Dame auch der Zeitpunctder Wahrnehmung aller ausserwcfcntlichen Gegen-stände. Einst weckte sie des Nachts eine Feursbrunstauf, sie war sehr erschrocken, sehr furchtsam, und 'mitten in ihrer Furcht bemerkte sie in allen ihrenkleinsten Theilen den wunderbarlichsten Aufzug allerUmstehenden, da sie doch bey Tage in der äussersten