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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
708
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zwöIftes Capitel. 69;

Stille niemals wufite wie die Leute gekleidet waren.Auch wandte sie niemals so viel Kunst aufdie Stel-lung einer Blume oder Feder in ihren Haaren an ,als eben in der Zeit da sie den Wolf und den Leib-lich studirle. Ich war niemals so zerstreuet und sosehr in die Welt verwickelt/ schrieb sie mir nicht lan-ge vor ihrem Tode/ als eben in den Jahren da ichden ganzen Morgen hindurch über die Zeit / denRaum, und die Entelechien dachte. Wer also miteiuem so gewaltigen / und doch so zarten Geiste,sich ganz in die Wissenschaften wirft/ schadet seinemKörper nicht blos von einer Seite/ sondern von al-len. Auch sirh ich diese Muse in einer blossen abermannigfaltigen/ lebhaften und doch sanften Conver-sation / oft von einem furchtbaren convulsivischcnHusten überfallen/ oder durch ein wahres und hef-tiges Fieber überwältigt.

Nach diesen allgemeinen Betrachtungen kommeich näher zur Sache. Kenne den Menschen mußman freilich dem Menfchen ohne aufhören zurufen !man greift den Geist über das Maaß seiner Kräftean, wenn man dieses Maaß nicht sieht. Das Ge-dächtnis der Kinder will man mit Wörtern und Be-griffen füllen die sie nicht verstehen/ der Kopfwirdihnen schwer / matt / fchwindlich / und vergeßlich ;anstät den VElllss der Kinder zu üben, wird nichtsals ihr Gedächtnis geübt. Wir lassen sie zehen undzwanzigmal die gleiche Sache nicht überlegen / son-dern laut daher schreyen / damit sie desto kräftigerin das Hirn gedruckt werde. Eine elende Methode/