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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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731
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viertes Buch,

7-8

Unter die unzählbare Bedürfnisse welche die Ge-wohnheit mehr als die Ratur dem Menschen noth-wendig macht, rechnet man billig die Kleider. Manwill seinen Leib überall zudecken, weil man sehroft die Decke lieber sieht als das bedeckte; demohn-geachtet ist die Begierde etwas nakendes vorzuwei-sen bey den Weibspersonen unbeschreiblich groß, undman würde freylich nach dem Geständnis der liebens,würdigsten Damen gar nicht mehr auf ihre Gesich-ter sehen, wenn sie sich ganz nakend zeigten. Beynns tragen die Bauermädgen die Knie bloß; unterLudwig dem vierzehnten entblößten die Damen ihreSchultern; viele entblößen noch itzt so weit es sichthun läßt ihre Arme; in ganz Europa begnügen sichdie Damen nicht ihren Busen durch einen seidenenNebel merken zu lassen, sie kramen ihn aus; in demKönigreiche Pegu sind die Weiber auf eine Art qeklei.bet, daß sich bey iedem Schritte ihr geheimster Theilanbietet. In Absicht auf die Gesundheit ist die Pe-guanische Mode nicht schlimmer als die Europäische,in Absicht auf die Sitten sind beyde von gleicherWirkung.

Die heutige Auferziehung zielt bey den Mädgenhauptsächlich auf die Gestaltung des Busens, auchsitzt sehr oft der Verstand der Weiber ganz auf ih-rem Busen- Der untere Theil des Leibes wird durchdie Schnürbrüste gepreßt damit der obere desto srcnersey, damit sich das Blut am meisten dahin ziehe,damit das Fett sich desto bequemer ergieße, und da-mit sich alles zu dieser wollustathmcnden Wölbung