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viertes Buch,
Darum finden wir, eben wie ein Schwärmer derden Menschen immer zurufen würde, sie sollen alleBcrufsgeschäfte liegen lassen, um dem Himmel Tagund Nacht einsidlerisch zu leben, nicht nur vollendskeinen Glauben, sondern die Ehre der Aerzte undder Arzncykunst liegt ganz zu Boden, wenn wir dieGefahren grösser machen als sie sind, und unserean sich wahre Lehrsätze durch einen blinden Eiferverleitet über die Natur Hinaustreiben. Sehr grau-sam und unerbittlich hat ein berühmter deutscherArzt vor einigen Jahren von den Krankheiten ge,schrieben, die von einer nicht genugsam vor der Kältebewahrenden Kleidung entspringen. Ich habe seinDmg gelesen.
Der Herr Verfasser nennt sich einen Practicus inFrankfurt und lehret uns demnach, daß der Kopfunser edelster Theil sey, daß das Hirn in dem Kopfeliege, daß wie solches die Anatomie zeige dieses Hirnsehr zarte Blutgefäße habe, daß das Blut durch dieKälte dick werde, und in dem Hirn stocke, wennWeibspersonen besonders die schon bey Jahren sind,in allen Jahrszeiten und vorzüglich mitten imWinter entweder mit dem Kopfe bloß einher-gehen, oder doch denselben mit einer kaum sichtba-ren Haube bedecken. Daher denn von einer solchendünnen Bedeckung des Hauptes allerley Flüsse, Zahn.schmerzen, Ohrenschmerzen, heftige Kopfschmerzen,Melancolie, Tobsüchten, Schlagflüsse, Lähmnn.gen, Krämpfc, Schlafsüchten, und der Tod ent-stehen. Man begreift daß sehr vieles hierbey zu er-