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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
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734
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dreyzehntes Capitel.

brachte dieses Zeugnis, und erhielt die Erlaubnisihre Andacht ohne den eisernen Schnürleib zu ver-richten, für neunhundert Gulden.

Wir kleiden uns sonst überhaupt zu warm, weiljede Bemühung sich vor der Kalte zu verwahren unsfür dieselbe nur empfindlicher macht. Von den Eng-ländern ist eine Gewohnheit zu uns übergegangeneine zarte Flanell auf dem Leibe zutragen, die aberCheyne verabscheut und die allerdings verabscheuungs-würdig ist, weil sie einen fast beständigen Schweisunterhält, den nur die blinden Verehrer alter Dumm-heiten im Ernste suchen; doch in allen Dingen vondieser Art macht die Gewohnheit das Gesetz. Wereinmal gewohnt ist sich warm zu kleiden, muß dieWinterkleider zeitlich anziehen, auch spät und nichtplötzlich sie weglegen, wenn erimHcrbstnichtSchnup,pen, Husten, und Bauchflüsse, und im Frühlingnicht Seitenstiche und Lungenentzündungen habenwill. Auch unter gewissen Umständen soll man imBette sogar auf die Kleidung merken. Der Herrvon Halter sieh in einer Wöchnerin am zweyten Tageauf die blosse Aenderung des Hemdes die Gebnrts-rcinigung zurückbleiben, und den Tod erfolgen.

Dieser Wahrnehmungen ohngeachtet verfehlen dieAerzte ihren Zweck, wenn sie in ihren GesundheitS-regcln zu weit gehen, und diesem oder jenem Miß-brauche Folgen beylegen, die doch die Erfahrungnicht bestätigt. Wir sind ja nicht fähig die Mensi-He»von Fehlern abzuhalten, die sie in die erbärmlichstenKrankheiten, und in den Tod ganz gewiß stürzen.Z;