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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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751
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7,8 Viertes Such/

liger in gefühlvollen Leuten, und zwar zuweilenzum Nachtheil ihrer anderweitigen Grösse. Drmo-sthenes war in ferner Jugend sehr mager undschwächlich, daher konnte ihn seine Mutter nicht zurArbeit halten, und darum wollten ihn seine Lehrerzum Studiren nicht nöthigen, aber darum verlieser auch bey mchrern Jahren in der Schlacht beyCheronea seinen Posten, warf seine Waffen ab,und nahm die Flucht. Cicero war nicht nur imKriege und bey dem blossen Anblicke gezückter Waf-fen furchtsam, sondern er ficng auch nie an aufdem Gerichtsplatze zu reden, ohne zugleich die hef-tigste Furcht zu äusser», und noch kaum verlor erdiese Furcht, da seine Beredsamkeit auf die höchstenStufen der Vollkommenheit gestiegen war. In sei-nem Hause äusserte Cicero die gleiche Weichlichkeit.Seine Tochter Tullia war an einem Kinde gestor-ben , alle Philosophen dieser Zeiten kamen von al,len Seiten her den Cicero zu trösten, aber er bliebimmer über diesen Verlust so untröstbar und so sehrungeduldig, daß er auch sogar seine zwole Frauverstieß, weil es ihm geschienen sie habe sich überdiesen Tod erfreut. Hclvetius bemerket seinemScharfsinn gemäß, daß kalte Köpfe diesen Mangelnin ihrer Aufführung so sehr nicht unterworfen seyenals hitzige Köpfe komme nur daher, weil kalte Köp-fe dieser grossen Beweglichkeit unfähig sind. Siehaben ihre Einsamkeit ganz allein der Schwach-heit ihrer Leidenschaften zu verdanken , obschonsie zuweilen in ihren eigenen Angelegenheiten ,