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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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752
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v i e rz eh n t e s C a p i t e l. 7^9

auch den schönen Sittenspruch gar schön vergessen:fällt der Himmel, er kann Weise decken doch nicht er-schrecken.

Mit dieser Empfindlichkeit des Temperamentesist doch auch zuweilen der Mensch, seiner anschei-nenden Schwachheit ohngeachtct, zu den gröstenund gefährlichsten Unternehmungen geschickt. Cä-sar sagte einige Zeit vor seinem Tode zu einem sei-ner Freunde, was denkst d» von deni Caßinus? ichgestehe dir, er gefällt mir nicht, denn er ist sehrblaß. Zu einer andern Zeit wurden Antonios undDolabella als Leute bey ihm verklagt, die etwaswider ihn aufrührten, und Neuerungen zu seinen»Nachtheil anspönnen. Nein, nein, antwortete Cä-sar, ich fürchte diese selten und wohlgckämmtenKöpfe nicht, aber die blassen und magern. Cä-sar sechsten, der als Gelehrter, als Philosoph , alsSchriftsteller, a!s Staatsmann, als Feldherr,und als Monarch, unter allen Menschen nur deneinzigen unnachahmlichen Friederich über sich hat,wäre von einem sehr schwachen Temperamente,dünn und schmal von Leibe, weiß und matt vonAnsehen.

Nun diese Beweglichkeit der Werkzeuge, durchdie der Körper die sanftesten Eindrücke fühlt, dieden Geist zu den feinsten Empfindungen schärft, diean dem Witze, den mau sonst durch einen allznbc-liebtcn Kunstgrif nur demenigen zugiebt deren Ver-stand man verdächtig machen möchte, an dem Ge-nie , und dein Geschmacke bei» meisten Antheil hat,