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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
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755
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74r Viertes Buch,

wird. Die Lehre von den Temperamenten führtalso zu der Vorhersehung der künftigen Krankheiten,und zu der Bestimmung der Ursache von den gegen-wärtigen.

Manches Volk scheint zwar sein eigenes Tempe-rament zu haben. Aber jeder einzele Mensch in die-sem Volke, kann durch etwas eigenes in seinemTemperamente eine Ausnahme von der allgemei-nen Regel machen; sogar in den verschiedenen Ge-bieten und Bezirken eines kleinen Landes können dieTemperamente unendlich verschieden seyn. In demeinzigen Canton Bern sind die Leute nach ihrer Ge-müthsart himmelweit verschieden. Bey mir herum,und besonders längst den vorderöstcrreichischen Gren-zen , ist das Landvolk mehrcnthcils etwas dumm»Hingegen sind die Bauren in einigen Alpthälern desCanton Bern zum Erstaunen sinnreich, äusserst spitz-findig, und nicht selten gelehrt. Auch ihre Mund,art ist ungemein niedlich , und demnach! von alleranderer Schwcitzcr Mundart gänzlich verschieden.Unter diesen Leuten werden Wolfens Schriften undBayles Wörterbuch gelesen, aber unter den gleichenLeuten giebt es auch Schwärmer von allen Gattun-gen , und Narren von allen Farben, ft> gut als inEngland. Zuweilen sind in der kleinsten Entfer-nung die Temperamente äusserst ungleich. Ein sehraufgeklärter und würdiger Geistlicher hat mir ver?sichert, daß er in der Ausübung seines Lehramts dieLeute in einigen Gegenden längst dem Thunersee un-aussprechlich dumm, und hingegen die dichte über