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Buch,
empfindlich bleibt wenn er nichts als Wasser trinkt,gleichwie ein träger und unempfindlicher Menschauch träge und unempfindlich bleibt, wenn er nichtsals Wein trinkt. 'Aber Krankheiten und gewisseKräfte der unkörperlichen Seele können die Tempe-ramente ändern, wie ich in diesem und dem folgen-den Capitel zeigen werde.
Endlich giebt es in der natürlichen Befthaffcnheitdes Körpers gewisse Seltjamkeiten, die sogar zuwei-len Ausnahmen von dem Temperamente find. Nichtsist seyerlicher als die Achtung der Damen für dieseSeltsamkeiten, welche fie ihre Natur nennen. MeineNatur vertragt diesen Geruch, diesen Geschmack,diesen Ton, diese Farbe, dieses Wort, diesen Ge-danken nicht; meine Natur ist oben hitzig und un-ten kalt, oder oben kalt nnd unten hitzig ; meine Na-tur ist ein Indegrif aller Naturen. Diese Seltsam-keiten find mit einigen kleinen Ausnahmen allerdingsder grössten Achtung würdig.
Die Aerzte geben dieser vorzüglichen Empfindlich-keit einiger oder aller Nerven, vermittelst welcherdie unschuldigsten Sachen unter tausend Menschennur in einem die außerordentlichsten Empfindungenund Bewegungen erwecken, den Namen der Idio-synkrasie. Sehr zärtliche Männer nnd hysterischeWeiber haben vorzüglich diesen Hang. Die Fra»,zöfiiche Königin Anna von Oesterreich, konnte inkeiner andern als der feinen Leinwand ruhen, dieman Vaptiste nennt, weil ihr auch die zärtestcn Hol-ländischen Bcttlachen unerträglich rauch schienen.