vierzehntes Capitel. 757
Schweitz in welchem nach dem Urtheil des Herrnvon Voltaire die gesunde Philosophie herrscht, wiei» dem ganzen sogenannten gelitteten Europa deydem Alter schon üblich, in dem man natürlicher weisefast nicht wisse» sollte, warum es zweyerlcy Ge-schlechter giebt.
Die sogenannten Leute die zu leben wissen sind oftdie schlechtesten Epikuräer. Sie setzen das gesitteteWesen in einige Bequemlichkeiten daran tausendHände arbeiten müssen , sie geben zwar eine Ver-zärtlung, eine Weichlichkeit des Verhaltens, eineUnbändigkeit in ihren Freuden für die wahren Vor-züge der Menschlichkeit, und eine gewisse schielendeArt zu reden für das wesentliche Merkmal der einzi-gen ehrlichen Leute aus, aber sie kennen die wahreWollust nicht. Die Wollust war in Epikurs Sy-stem was sie in der Natur ist ein Gut, und derSchmerz ein Uebel, nun will die Natur daß wirdie Wollüste nur insofern suchen als sie keine Schmer-zen nach sich ziehen, dies ist was feine Epikuräersuchen sollen. Ein wahrer Arzt hat es gesagt, undwer nicht blind seyn will wird es sehen, daß seitdemman mit Ueberlegung und Vorbedacht theils sich einAnsehen zu geben, theils durch die Menge verleitetden verführerischen Blendungen eines Systems alleingeopfert, das die Wollust und den Müßiggang fürdas einzige höchste und wahre Gut hält, seitdemhat man auch ein thätiges und arbeitsames Lebenverachtet, uud sich in die weichen Arme einer weibi-schen Wollust geworfen. Die Unthätigkeit des Gci-