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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
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790
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fünfzehntes Capitel. ?77

stig, stund auf, suchte Wasser, und fand keines.Seine Wolehrwürden eilten daher ohne Strümvfeüber die Strasse zu einem von dero Haufe zimlichentfernten Brunnen, tranken mitten in dero Schwei-fe fo viel Wasser als ihr Magen fassen konnte,undfüllten noch ein Geschirr das sie nach ihrer Rückkehrebenfalls leerten. Hierauf legten sie sich zu Bette,und stunden des Morgens munter, flink, und vondero Flußsicber befreyet auf. Auch die Russen sindso lederharl, daß sie mitten in dem kältesten Win«tcr in ihren Badstuben bis auf den äussersten Gradschwitzen, und unmittelbar darauf sich ohne den ge-ringsten Nachtheil in dem Schnee wälzen.

Die obcnangeführtcn Seltsamkeiten der Naturmachen zuweilen die schädlichsten Dinge erträglich,so wie sie vieles sehr schädlich machen , das es sonstfür niemand ist. Es giebt Leute die sich in einerLuft sehr wohl befinden , in welcher die meisten Men-schen nicht leben können. Pechlin erzählet das Bey-spiel eines Knaben von einer Übeln Leibesbeschaffcn«heil, der von Würmern sehr geplagt war, und ei-nen solchen Hunger hatte, daß ihn die übermäßig,ste Menge von Speisen nicht sättigen konnte, dem,ungeachtet hatte dieser Knab während seiner langenKrankheit ein außerordentliches Gedächtnis und einmehr als mittelmäßiges Genie, aber er verlor bey-des sobald seine Gesundheit hergestellet worden. Lin-näuü sagt, die Lappländer seyen dem Scharbock nichtunterworfen, da sie doch kein Kräuterwerk und so,gar kein Brodt speisen.