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Von einer Reformation in Italien : oder von den Mitteln, die gefährlichsten Missbräuche und die schädlichsten Gesetze dieses Landes zu verbessern / [Karl Antonio Pilati]
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18
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Einleitung» 17

Einmal gab es Zeiten wo diese Vorsicht nichtnothwendig war. Hochmuth, Geitz, Uebermuth,und ein ärgerliches Leben waren nämlich bey derGeistlichkeit der ersten Kirche unbekannte Namen:Sie bemühete sich nicht Schätze zu sammeln: Siemaaßte sich weder über die Glieder der Kirche, nochüber die Unterthanen des Staats einige stolze Ober.Herrlichkeit an : Sie eiferte nicht um eitele Ehre,zankte sich um keinen Vorzug, und gedachte nichteinen unabhänglichen Staat in dem Staate welt-licher Fürsten aufzurichten. Damals wußte mannichts von Kircheugütern; die Geistlichkeit lebtemässig und auferbaulich von dem Allmosen derGläubigen. Damals gab die Kirche keine Gesetze;und es kam ihren Dienern nur nicht in den Sinn,daß sie die Gewalt hätten, den Gläubigen Gesetzevorzuschreiben: Wohl schlugen sie gewisse heilsameEinrichtungen vor; aber sie holten erst den Rathund die Einwilligung der Laven ein, die sich dannfreywillig und aus eignem Triebe beeiferten solchezu halten. Damals unterstuhnd sich keine Kircheüber die andre herrschen zu wollen; auch die rö-mische Kirche träumte nicht ein solches Recht zuHaben: Jede nahm Maaßregeln nach ihrem Wohl-gefallen , und wie sie es für ihre Umstände ange-messen hielt; höchstens ließ sie sich durch das Bey-spiel oder Emrathen anderer Kirchen leiten: Da-mals glaubte die Geistlichkeit nicht weder von denGesetzen ihres Landesfürsten, noch von den Bür-den ihrer Mitbürger, noch von der allgemeinen PflichtB