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Die Ungerechtigkeit dieser befreyenden Gesetze be-weiset die Billigkeit noch mehr, daß die Geistlichkeitden Gesetzen des Staats unterworfen seyn soll.Denn fürwahr, da Gott dem israelitischen Volkauf sein Verlangen einen König gegeben, und ih.nen zugleich ankündigte, baß er über ihr Lebenund Tod herrschen würde, so hat er den Stam-men Levi nicht ausgenommen Das Evangeliumenthält nicht die geringste Spur, woraus nur vonwertem die Befreyung der Apostel von der weltli.chen Gerichtsbarkeit Zu vermuthen wäre Und hatnicht Christus ein absonderliches Wunder gewirkt,damit der an ihn und seine Jünger begehrte Zollbezahlt werden könnte? Nein, unser göttliche Erlö-ser ist nicht gekommen, den Untergang der Staatenanzurichten; die Fürsten von den ihnen von Gott undder Natur verliehenen Rechten zu verdrängen; undden grösser» Theil arbeitender Bürger, Müßiggän-gern und unnützen Leuthen zu gefallen, aufzureiben.
Die Urquellen aller Kirchenimmunität sind dieFreygebigkeit und Güte der Fürsten; wenn aberder Beschenkte undankbar ist, so erlauben die Rechteeine Widerrufung der Schenkung. Dieser Fallergibt sich bey der Geistlichkeit, indem sie, anstattden Staat aufrecht zu erhalten, sich ihrer Machtund Reichthümer zu seinem Umsturz bedient. Sieist undankbar, weil sie ihre Beförderer verachtet -sich über ihre Gutthäter hinaussetzt, und ihnen willvorgezogen werben. Ueberdas ist ein Landesherr,kraft feines Amts, verpachtet, nicht nur einträgliche,