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die Sache verhalte sich so. Zwey Quellen hievottdarf und muß ich doch anführen. Die erste ist aber-mals unser warmes Clima, welches die Einwohnervon Natur verzagt und weichlich macht, wenn nichtGesetzgebung, Erziehung und Sitten/ den ange-stammten Fehler verbessern; wie letzteres der Fallhey den meisten alten Bewohnern unsers Welsch-landes, besonders bey den Römern, war. Diezweyte Quelle ist der Mißbrauch den die Geistlich,kett von den schönsten Grundsätzen und Lebeusre.geln macht, die uns das Evangelium lehret; diesie aber verkehrt verstehen, und also auch dem Volke,in ihren Predigten und Kinderlehren, verkehrt aus.legen. Wer ihre Kauzelvortrage gehört hat, unddabey weißt, wie Furchtsamkeit und Feigheit indem Herz des Menschen erzeugt werden, der wirdmich itzt genugsam verstehen.
Es ist demnach für das Wohlseyn der Gesell-schaft, welche tapfre und unternehmende Bürger, undkeine niederträchtige Poltrons zu Gliedern braucht,höchst erforderlich, daß die Anzahl dieser Predigerder Trägheit und Kleinmüthigkeit durch kluge An.stalten der Landesherren so wett als möglich heran,jergebracht werde. Wenige, aber gute Geistliche,machen der Religion Ehre, und verschaffen demStaate durch das erbauliche ihrer Lehre und ih-res Lebens die größten Vortheile; da hingegen einzahlreicher, aber lasterhafter Clerus, dem Christen,thume selber Verachtung, und dem Gemeinen We-sen den Untergang zuzieht.