Buch 
Von einer Reformation in Italien : oder von den Mitteln, die gefährlichsten Missbräuche und die schädlichsten Gesetze dieses Landes zu verbessern / [Karl Antonio Pilati]
Entstehung
Seite
161
JPEG-Download
 

;6H -N- ^

Daß nämlich solches nach der Natur einer jedenRegierungsform eingerichtet werden soll. In Re-publicken, wo strenge Sitten herrschen, stehen Ge-setze fürtreflich gut, weiche die Unmassigkeit und Un-keuschheit ernstlich bestraffen: Denn gedachte Lastererzeugen unendlich viele andere gemeinschädliche Ge-brechen. Und eine jede Republick welche die Uep-pigkeit duldet, steht an dem Rand eines unver-meidlichen Verderbens. Aus dem gleichen Grundkönnen in Repudlicken öffentliche Anklagen gestattetwerden. Zu Rom fanden solche sogar in Absichtdes Ehebruchs statt. In Monarchien hingegen dür-fen diese , und andre ähnliche Anstalten entwederüberall wegbleiben, ober wenigstens sehr gemässigtgebraucht werden. Denn diese Regierungsformwird von ganz andern Grundsätzen geleitet, und derEhrenpunkt verteiltet daselbst gutentheils die Stelleder öffentlichen Tugend.

Es ist beynahe überflüssig zu bemerken, daß dieGrundgesetze eines Staats, welche dießmal nichtunser Gegenstand sind, noch weit mehr als das Ci-vil- und Crimmalrecht, je nach den verschiedenenunter den Nationen eingeführten Regierungsartengemodelt werden müssen. Diese Materie gehört insGebiet der Politick, worein wir uns auch mit keinemSchritte weiter wagen wollen.

Aber unsre zweyte Hauptbetrachtung ist diese tDaß die Civilgesetze eines Volkes, den Grundsätzen,Sitten und Gebräuchen desselben angemessen seynmüssen. Denn ein Gesetzgeber, welcher sich in den