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Der Verfasser des Geistes der Gesetze, Becca-ria, und Pilati haben bis zur höchsten Evidenz er-wiesen , und die liebe gesunde Vernunft und leidigeErfahrung zeigen eS schon zur Genüge, daß dieTortur ein ungerechtes, unmenschliches, hauptsäch-lich aber ein völlig unzulängliches, also unvernünf-tiges Mittel sey, die Verbrechen ins Licht zu setzen.—Warum stehen wir also noch einen Augenblick an,dieses häßliche, abscheuliche Ueberbteibsel barbari.scher Zeitalter, und die Schande eines aufgeklärtenJahrhunderts gänzlich auszurotten?
Noch ein anderes Gesetz wäre von höchster Wich-tigkeit : Daß man nämlich alle Freystädte abschaffensollte, welche ihrer ersten Pestimmung noch nicht da-zu dienten, Verbrecher von der verdienten Straffezu retten, sondern die Unschuld in Sicherheit zusetzen, welche durch Zufall, und ohne Vorsatz, ei.nen Todschlag, oder irgend eine andre gemeinschäd-liche That mochte verübt haben. Wenn nun derAberglaube von dieser Anstalt den bekannten schänd-liehen und gefährlichen Gebrauch macht, und da-mit die ärgsten Spitzbubenstreiche in Schutz nehmenwill, so ist es allerdings des weltlichen GesetzgebersAmt und Pflicht, sich einem solch unwürdigenMißbrauch der Christenliebe, die das Evangeliumbesiedlet aber besser verstanden hat, aus aller Machtzu widersetzen. Was hilft das ganze Criminalrechtund alle Vorsicht des Gesetzgebers, wenn Priesterund Mönchen jedem strangwürdigen Missethäter dieHand bieten, ihn in ihr Heiligthum locken, und