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wie ein ehrlicher Mann zu thun pflegt, nie aufden Boden heftete, sondern frey offen auf allevorkommende Gegenstände, und gerade auf denPater Büchercustos richtete, urtheilte derselbe mitselnem gewohnten Scharfsinn sofort, daß ich einervon denen Leuthen sey, der einem Wunderbild sei-nen Werth oder Unwcrth läßt; aber auch gewißniemal dem Seckel die Riemen zieht, um dasDrng reden , deuten, oder gar weinen zu machen.Er machte mir darum eine importante Verbeu-gung, nahm mich sachte bey der Hand, undführte mich in den Vüchersaal. — Das erste,worauf ich meine Aufmerksamkeit wandte , wareneben die Manuskripte. Benedickt, voller Freuden,daß ich mrch sofort über seinen Lieblingsgegenstandhermachte, fteng an, mir im Mönchenstyl einenPanegyricus auf die alten Handschriften zu halten,und endigte mit der Morale, wie ersprießlich esdock für das Seelenheil wäre, wenn ein Christ inder Dlplomatick versirt sey. Ich erinnere mich nochfolgender seiner Schlußrede , die ihrer Seltenheitwegen einen unvergeßlichen Eindruck auf mich ae-machet hat: «Da Sie, mein Herr! mir das An.„sehn eines Ausländers, und, wo mich Ihr freyes«Wesen nicht tnegt, eines lutherschen Ketzers zu„haben scheinen,; so darf ichs Ihnen wol sagen,„daß ich mich des Tags wol hundertmal wundere,„warum doch immer die Papste, anstatt mit ih-„rer Vulla Unigenitus so viel Lerm zu machen,sticht lieber ein Bceve oder einen Hirtenbrief ers