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Knochensplitter von höchst problematischen Hei-ligen, wahrscheinlich Ausschuß, enthielt; indem andern war eine räucherige Madonna voneinem förmlichen Cortege von Heiligenbildernumgeben, und aus dem Betschemel unter ihr lageine Auswahl von Erbauungsschriften, Tra-ctatchen, „Andachten", zwischen und neben zweiGefäßen mit künstlichen Blumen, welche derMutter Gottes zu Ehren hierperennirend blüh-ten. Dieser, der Organist und Choragent, be-saß als Schau- und Prachtstück einen Wiener-flügel und Notenbücher, Orgelpfeifen, Violinenund Trompeten lagen xele-mKo untereinander,während die Portraits von Sebastian Bach,Beethoven und Mozart ruhig auf die musika-lische Verwirrung niedersahen. Jener, der sichals Bibliothekar und Archivar auswies, be-wegte sich, oder stolperte vielmehr über eineFluth von Papieren, alten, in Kalbs- undSchweinsleder gebundenen Scharteken von allenmöglichen Formaten, und vor der Thüre seinesNachbars, des Oekonomen, in dessen Zimmersich die Gerüche von den dort aufgestapeltenObstsorten, Schafwollproben und Nunkelrüben-zuckersyrupen mengten, lagen ein Paar großeHunde.
Es war theils in der Lage des Stiftes,theils in andern Zufälligkeiten begründet, daßdie Mehrzahl der jünger» Mitglieder aus einerbenachbarten, fast ausschließlich slavischen Pro-vinz stammten, während die klebrigen entwederdem „Reiche" oder den deutschen Ländertheilendes Kaiserstaates angehörten. Einem mehr alstausendjährigen Beisammenleben unter den näm-lichen Gesetzen des Staats und der Kirche, wäh-rend dem fortwährend wechselseitige Transfu-sionen des Blutes statt hatten, ist es noch nichtgelungen, alle Antipathien zu verwischen, dieaus der Stammverschiedenheit entsprungen indem Verhältniß des besiegten Slaven zu deinsiegenden Deutschen ihre Nahrung fanden. Dieösterreichische Monarchie ist ihrem Ursprung,ihrer Geschichte und ihrem Kerne nach wesent-lich eine deutsche. Die Sympathien der Ma-gyaren und Italiener hängen nicht an der Kai-serburg in Wien, und hegen gleich die Slavenkeine Träume von nationaler Unabhängigkeit,so ist doch der Schwerpunkt, um den sie zu na-türlicher Gruppirung eingeladen werden, nichtin Oesterreich zu suchen. Mußten auch Jo-sephs zu rasche Versuche in Ungarn so gutwie in Belgien scheitern, dort am Stolz derMagnaten, hier an den Ränken der Pfaffen,sind auch in Italien Oesterreichs mächtigsteFreunde seine Dajonnette, so kann es doch mitdiesen beiden Ländern nicht anders verfahrenals mit den Slaven. Ohne ihre Nationalität
zu einem Gegenstand directen Angriffes zu ma-chen, muß es die Vermittlung zwischen ihrund deutscher Bildung übernehmen und versi-chert sein, daß, wo das Band der Stamm-gleichheit unter den durch Zufall zu einem Reichezusammengewürfelten Völkern fehlt, nur dasBewußtsein gemeinschaftlicher, theurer, unterden Fittigen desselben Adlers erworbener undgesicherter Güter es ersetzen kann. Dieses wirdzum fester» Mörtel als Abstammung, Spracheund Religion. Der Elsaß würde die Wieder-vereinigung mit Deuschland verschmähen, aberheute lieber als morgen kehrten die russischenOstseeprovinzen dahin zurück.
Diese Stammverschiedenheit gab nun imengen Raume eines Klosters zu allerlei Uebel-ständen Anlaß, wenn die nationale Engbrüstig-keit der Slaven an der Weltbürgerlichkeit der Deut-schen anstieß, oder das Bewußtsein ihrer Un-terordnung als Volk jene antrieb, hier ihreUeberlegenheit an Zahl geltend zu machen. Dar-aus entstanden jene Landsmannschaften, die,wenn sie schon im Großen selten zu etwas Er-sprießlichem führen, im Kleinen nachgeäfft garnichts taugen. Man sonderte sich in Coterien,führte ein Protectionswesen ein, und die ausihren slavischen, auf keiner besonders hohen Stufeder Cultur stehenden Umgebungen auf einmalin das Stift übergetreten waren, feindeten wohlgar Alle an, welche den Vortheil höherer Bil-dung für sich hatten. TinOriginal dieser Arthaßte Alles, was deutsche Literatur hieß, dieihm gleichwohl behülflich gewesen war, das ge-ringe Maß von Kenntnissen zu erlangen, wel-ches ihm erlaubte, gegen sie eine zwar lächer-liche und absurde, aber doch nicht langweiligeund völlig ungenießbare Polemik zu führen. Vonden Philosophen, welche er freilich nur dem Na-men und höchstens den Titeln ihrer Schriftennach kannte, sprach er mit der äußersten Ver-achtung, die Geschichtschreiber ignorirte er gänz-lich, und die Dichter waren ihm ein Greuel.Wandte man ihm ein, daß einige Produktedieser letztem doch von den Slaven selbstübersetzt worden seien, so war das seiner Ansichtnach nur geschehen, um den Deutschen zu zeigen,wie sie es hätten machen sollen; und fragte manihn um die Schätze, welche seine Stammver-wandten auszuweisen hätten, so nannte er eineFluth barbarischer Namen auf ky, cki, kin, ichund schek, vom h. Cyrillus an bis zum industriö-sen Uebersetzer, der seine slavischen Landsleutemit Gebetbüchern und Andachten zu Ehren ir-gend eines wunderthätigen Marienbildes be-schenkt. Eine andere Marotte von ihm bestandin der firen Idee, die slavische sei die Ursprache,und er stand nicht an, alle andern auf sie zu-
rückführend, zu erklären, Homer sei so gut wiedas Buch Genesis ursprünglich slavisch geschrie-ben worden. Irgend eine Benennung, auf dieFamiliennamen hatte er es besonders abgesehen,konnte anscheinend noch so gut deutsch klingen,er sah ihr den slavischen Ursprung an, und warnicht verlegen, diese oder jene Lautähnlichkeit auf-zufinden. Für die serbischen Volksgesänge warer enthusiastisch eingenommen, und bei besondersguter Laune trällerte er die Melodie eines slavi-schen LiedchenS, dessen erste Strophe ungefähr solautete:
Uibrs po morjs plavajo,
6Iav2e na suliem (1er8 be:iVleni pa biubxl braickjo,ses pa N6 Allstem 06 ns.
Dem Kaiser aller Kosaken prophezeite er die Uni-versalmonarchie, und den Slaven ertheilte er ne-benbei, dem neuen Europa gegenüber, die näm-liche Mission, welche die Germanen im altenauszuüben berufen gewesen waren.
S t e r n e ck.
9! o v e l l e von d. F. v. W.
1. D er Studentenball.
Während acht Tagen veranlaßte eine Lan-desfeier in L. die lebhafteste Bewegung; dieBürgerschaft blieb freilich im ruhigen Gleise ge-wohnter Beschäftigung, nicht so aber die zahl-reiche Masse der Smdirenden, welche Aufzügeordneten, Feste verabredeten und gaben, und mitjugendlicher Eitelkeit in reichen Uniformen dieStraßen durchschwärmten. Oesterer denn sonstsah man zu jener Zeit alle Fenster mit lieblichenMädchenköpfen besetzt, bereit die Huldigung' ent-gegen zu nehmen, welche im häufigen Vorüber-gehen ihrer Verehrer sich an den Tag legte;kein Gruß aber fand so tiefe und freundliche Er-wiederung, als derjenige des GeneralanführersSterneck, der alle Gefährten hoch überragend undeine fast zu stolze Haltung annehmend, an jenejugendlichen Helden des Alterthums erinnerte,welche in den unvergleichlichen Poesien einer fer-nen Zeit, in allem Schmuck der Schönheit undLebensblüthe uns vorgeführt werden. Er ver-dankte seine Erhebung zu solcher Würde, mitwelcher als vor Zeiten erworbenes, von der Re-gierung bestätigtes Vorrecht, der Rang eines Ge-nerallieutenants verbündendem Stolz, mit wel-chem seilte Gefährten auf den Eindruck seineräußern Erscheinung hinsahen, und nebenbei sei-nen wohlgeordneten ökonomischen Verhältnissen,welche ihm die erforderlichen Opfer zu bringengestalteten.