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herüber. Es war, als ob sie mit tiefem Ernstden Kampf und Tumult unter ihnen betrachte-ten, und wennderWind ihre Kronen schüttelte,schien es, als ob sie dem Toben des ElementsHohn sprachen, das sie nicht aus ihrem vege-tabilischen Phlegma zu reißen vermochte. —
Unten in der Tiefe waren die Steine mitMoos? bewachsen, und üppiges Gras schoßrings herum hervor, als habe der Wasserfall,sonst alles in seinem ungestümen Lause zerstö-rend und vernichtend, ein besondres Wohlge-fallen an diesen Gewachsen.
Beide Wasserfalle vereinigten sich in derTiefe. Mit welcher Innigkeit sie sich umarm-ten, die Wellen tanzten, jubelten und hüpftengleich Bacchantinnen mit gelösten Locken überdas Thal hinab. —-
Mitten im Thal erhebt sich eine ungeheurekegelförmige Klippe und setzt den Wellen einZiel. Mit eisernem Fuß fest an den Bodengestemmt, scheint sie diesen und dem Wande-rer zuzurufen: Bis hieher und nicht weiter.Grau und durchaus nackt steht sie da, ein voll-kommnes Bild der Unfruchtbarkeit. — HoheGebirge schließen das nur einige hundert Fußbreite Thal ein, noch höher als jene Klippe,doch unregelmäßig und minder unfruchtbar.Hie und da kukt eine Blume hervor, sucht eineErle mit ihrem dunkelgrünen Laube Schutzunter hervorspringenden Felsblöcken. HöherHinauf stehen Fichten in Reihen terrassenför-mig. Die lange Strecke zwischen diesen unddem von einer magern, ärmlichen Vegetationbegrenzten Fuße des Gebirges ist durchausnackt; sie besteht aus ungeheuern Steinhaufen,die sich durch Gerölle gebildet, das in diesenGegenden sehr gewöhnlich ist. Wenn die erstenSteine anfangen herabzurollen, zittern die Be-wohner der wenigen im Thale zerstreuten Hüt-ten, sie wissen, daß jetzt die Berggeister ihrwildes Spiel beginnen. Ost hört man obenin den Spitzen der Berge Jammer und Weh-klagen vorher: es kömmt von den Berggeistern.Diese sind Löse Geister, nie hört man einenfreundlichen Laut von ihnen, nur klagend ma-chen sie sich vernehmbar; die Menschen hassensie und suchen ihnen bei jeder Gelegenheit zuschaden, darum zittert der Bauer in seinerHütte, wenn die ersten Steine zu rollen an-fangen. Wohl hat er Grund zu zittern, undhätte nicht dieselbe Natur, die stets in offenerFehde mit ihm liegt, seine Muskeln gestähltund ihm eine eiserne Brust verliehen, er müßtesein Leben lang wie ein zitterndes, schwanken-des Rohr dastehen; denn das Schicksal, das beiseiner Wiege gestanden, ist ihm keine mildeAmme mit lächelnden rosigen Lippen und sanften
Blicken gewesen. Eine winzige Hütte, und einelender Streifen dürftigen Acker- und Wie-senlandes, seine ganze Habe, unterhält undbebaut er im Schweiße seines Angesichts. Undhat er endlich es dahin gebracht, daß Ackerund Wiese eine erträgliche Ernte versprechen,zieht der Sturmwind übers Thal, es beginntoben im Gebirge zu krachen, Felsblöcke lösensich, und ehe er es sich versieht, ist seklle Hütteund sein ganzes Eigenthum unter einer un-förmlichen Steinmasse begraben und nackt mußer von Thür zu Thür wandern.
Dergleichen Spuren der Verwüstung er-greifen den Reisenden tief, der diese Gegendenbesucht. Auch ich fühlte mich von Mitleidbewegt, als ich zwischen den beiden Wasser-fallen stand und hinab ins Thal schaute. Aberbald bemächtigte sich ein anderes Gefühl meinerBrust. Wie ich so ins dunkle Thal hinab-blickte, war mir, als sei ich in einen altengothischen Dom getreten: die Berge erhobensich gleich ungeheuren Säulen, das Himmels-gewölbe auf ihren Schultern tragend. DasBrausen der Wasserfälle glich tiefen Orgel-tönen und die Hütten im Thäte erschienen wieGrabsteine. Da fiel mein Blick auf einen gro-ßen Adler, der hoch in der Luft schwebte.Mein Auge folgte ihm auf seiner luftigenWanderung, bis er hinter einer Felsenspitzeverschwand, die sich im Sonnenglanze ba-dete. Unwillkürlich dachte ich an Karl V.,der, ein ungeheurer Adler mit seinen großenSchwingen, über manches Blatt der Geschichteschwebte. Hätte er sich, fiel mir ein, statt insein Kloster in dieses Thal zurückgezogen, wä-ren ohne Zweifel an den alten Flügeln neueFedern gewachsen, mit einem Schlage hätte erden argwöhnischen Philipp vom Throne ge-stürzt und seinen neuen Flug begonnen! —
Unsern Tage«.
Vier Parabasenvon Drärler-Manfred.
III.
O wenn sie alle so beisammen stünden,
Sie, die den Tempel dir, o Kunst, entweihen,Zusammen so getragen von den Winden,
Wie wollt' ich mich des grausen Anblicks freuen!
Dann sollten sie erst meine Kraft empfinden;
Ein Samson wollt' ich ihren Rotten dräuen.
Und mit dem Feuerschwerte der VernichtungHinaus sie bannen aus dem Reich der Dichtung.
„Ihr Frevler, blindgeboren und verblendet, —"So klänge dann mein Wort, gleich einem Fluche —„ Die ihr zu Sünden eure Zeit verschwendetUnd zu des Nichts erbärmlichem Versuche:
Die Tage eures Truges sind beendetUnd überhangen mit dem Trauertuche,
Gekommen ist die Zeit gerechter RacheUnd naht sich euren Haufen als ein Drache."
„So sinkt zurück in euer Nichts denn wieder,Dem wie ein Irrwisch ihr euch frech entrasstet.Sinkt in die schmuzbedeckte Scholle nieder,
An der, als eurem Element, ihr haftet;
Fort aus dem alten Heiligthum der Lieder,
Das ihr mit blödem Sinn und Geist begafftet:Nur Guten offen sind die Paradiese,
Die Hohlen labt genugsam jede Wiese."
O leerer Wahn! O fruchtlos schone Worte!Wo fand' ich diese Elenden denn alleVersammelt so an einem Unglücksorte,
Sie zu vergiften mit dem Wort der Galle!
Sie kriechen einzeln hin von Ort zu Orte,
Wie böse Schlangen auf dem Erdenballe,Verpestend mit dem Gifthauch ihres StrebenSDie reine Luft des Herzens und deö Lebens.
Sie schleichen hin mit ungeheurem Haffe,
Den Guten feindlich, sich nur selbst gewogen,
Und denken nicht, daß sie die Rache fasse.
Der sie als Opfer sich so lang entzogen;
Sie bilden, einzeln jeder, eine Masse,
Denn jeder ist so giftreich angesogen.
Daß eine Welt er fordern könnt' znm Streite,Weil List und Bosheit rings ihm stehn zur Seite.
Doch, um des Gleichnisses mich zu entled'gen:Ihr Stümper, die ihr frech herangedrungen,
Soll langer noch die Kunst euch strafend pred'gen,Daß ihr gedankenlose, schaale Jungen ?
Womit soll uns die arme Zeit entschad'genFür niedre Schmach von euren Lästerzungen?Womit vergüten das unwürdig Schlechte,
Das eure Zunft gern geltend machen möchte?
Die Großen unsrer Zeit sind heimgegangen.Und die uns noch geblieben sind, verstummen,
Doch aus dem edlen Niesenstamm entsprangenNur Zwerge, die ein heisres Spottlied summen;Der Kranz, der sonst die edle Stirn' umfangen,Ein Erbe ist geworden er der dummen, —
Doch nur ein angemaßtes und geraubtes.
Drum wirds zur Dornenkrone ihres Hauptes.
Sie stolpern hin und her auf morschen BeinenUnd wissen nicht auf festem Grund zu fußen,
Vor allen Götzen huld'gen sie dem einen.
Der Mode widmen sie den leeren Busen:
Sie muß sich ihnen leitend stets vereinen.
Als Faden in dem Labyrinth der Musen,
Sie reiche ihnen die BegeistrungSflasche,
Und fülle ihnen Mund und Herz und Tasche.
Und denen solch ein Abgott mit VertrauenDie Brust erfüllt, die blicken mit VerachtenAuf Jene, die als Sterne wir beschauenUnd als des Ruhmes reine Priester achten;
Doch mehr als dies noch, die Betrüger bauenAus jenen Säulen, die sie frech verlachten,
Als wären's Stücke ihres Eigenthumes,
Die Pforte sich deö nie verdienten Ruhmes.
O Muse, die du über Sternen waltestUnd niederblickst auf diese tollen Massen,
Daß du zur Furie dich nicht umgestaltest,
Um diese Frevler dräuend anzufassen!