Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
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362
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Den schönen Tempel, drin du Hohe schaltest,

An solche niedre Schaar zu überlassen,

Zu horchen solch erbärmlicher Gesangwnth, —

Das ist die höchste Gnade deiner Langmuth!

Doch nein, warum die Muse denn beschuld'gen?An uns, an uns ist's diese Schmach zu enden IWas spielen wir so lange die Geduld'gen,

Und feiern in dem Schooße mit den Handen?

Am Ende wähnet man noch gar, wir huld'genDen Stümperstücken, die sie reichlich spenden:Drum auf, und mit des Zornes wildem SpotteVernichtet diese böse Ganklerrotte!

Sucht sie in ihren eigenen Verstecken,

Um ihren bösen Willen ganz zu lähmen,

Sucht sie durch eures Hohnes Blitz zu schreckenUnd sie zum ew'gen Schweigen streng zu zähmen:Ihr würdet euch mit ew'ger Schmach bedecken,

Es müßten eurer sich die Geister schämen,

An die ihr Liebe und Bewundrung schuldet,

Wenn ihr so freche Wichte bei euch duldet.

M ideellen.

Welche Weise, das Jubiläum der Erfindung derBuchdruckerkunst zu feiern, wäre wohl die würdigsteund angemessenste gewesen? — Unmaßgeblich, glau-ben wir, eine gute Uebersetzung der ^reopu-gitieL, a speooll kor dirs lldort^ okuniicon sock printing von John Milton, einemusterhafte Auflage dieser Uebersetzung und eine un-entgeltliche allgemeine Verbreitung unter alles Volk.Gutenberg Henne Gänsefleisch von Sulgeloch hat nurdie Presse, das Werkzeug erfunden; es ist viel undgroß, aber mehr und wichtiger ist noch die Entdeckungdes rechten Gebrauchs und diese verdanken wir JohnMilton. Die Deutschen haben die Presse erfunden,und die Engländer und Franzosen die Freiheit derPresse, ohne die sie ein todtes sklavisches Meubel ist.

Wenn Bücherdrucken nur ein Gewerk und Gewerbist, warum gilt denn nicht auch für sie die Gewerk-und GewerbSfreiheit? Dem Handwerker sagt mannicht, was er machen und nicht machen soll und demKaufmann nicht, was er kaufen und was er verkau-fen soll.

Wenn man bedenkt, daß die Buchdruckerkunst erstvier Jahrhunderte besteht, und überrechnet, welch' eineüberschwengliche Menge von Büchern sind gedrucktworden, wird Einem unheimlich zu Muthe. Mandankt der Vorsehung, daß sie nicht mit Erschaffungder Welt oder nicht gleich mit der Entstehung desMenschengeschlechtes die Druckerpresse werden ließ.Nimmt man gar die Zeitrechnung der Chinesen an, sokann man sich nicht anders vorstellen, als daß bereitsder ganze sublunarische Weltraum nur mit LeipzigerMeßkatalogen müsse ausgefüllt sein! Was wird alsoaus den künftigen Generationen werden? Wie wird esder ihm drohenden immer wachsenden Papierfluth ent-gehen , wird es nicht unter diesen aus Lumpen erbau-ten Montblancs sich selbst lebendig begraben?!

ES ist zum Erstaunen, daß es noch keinem Vereinfür die Preßfeier (besonders für die gewerbliche)eingefallen, einen Preis auf eine weitere Vervoll-

kommnung der Kunst zu setzen. Ich möchte vorschla-gen , daß ein recht hoher Preis darauf gesetzt würde,zu erfinden, daß aus die Weise, wie das Licht vonDaguerre ist dienstbar gemacht worden, daß es dieAußenwelt abdrucken muß; so der menschliche Geistgezwungen werde, sich ohne das Medium der Wort-,Schrift- oder Drucksprache unmittelbar auf ihm vorge-legtes Velinpapier abzucontrefeien. —

Vor Kant gab es nur eine deutsche Phi-losophie, es war die von Leibnitz, und seitKant hat sich nach unserer Ansicht selbst in vollende-tem Formen und Ausführungen der Philosophie derdeutsche Genius nicht ursprünglicher und nicht eigen-thümlicher offenbart, als in dem Monaden-Evo-lutions- und Harmoniesystem; und dennochwar der deutsche Leibnitz aus der deutschen National-literatur gleichsam verdrängt worden, denn auf demStudirzimmer oder im Hörsal des Philosophen galtender dualistische Descartes und der iventisirendeSpinoza mehr. Wir müssen es daher für ein sehrzeitgemäßes Verdienst ansehen, daß G. E. Guh-rauer die deutschen Schriften von Leib-n i tz zusammengestellt und in einer eignen wohlver-faßten Auflage aufgefrischt hat *).

Vermischte Nachrichten.

* Aus Stuttgart. Der schwäbische Mer-kur giebt die Nachricht, daß sich hier 2i9 Literatenbefinden, er macht dieselben namentlich; auch bemerkter noch, daß diejenigen, welche nur für Tagesblätterarbeiteten, nicht mit gezahlt wurden. Es ist nichtzu leugnen, daß sich hier Heroen von Schriftstellernbefinden, doch die meisten jener Zahl arbeiten alleinum das liebe Brod als Gesellen uno Hauolanger derBücherfabriken Stuttgarts, die besonders Ueber-setzungen aus dem Englischen und Französischen liefern.Vortreffliche Werkmeister stehen an der Spitze undzeigen in Bezug auf Gewinn einen praktischen Geist.—- Vor Kurzem erschien ein Büchelchen, „Prophe-zeihungen des Nostradamus nach der Lyoner Ausgabevon 1668 auf der königlichen Bibliothek in Paris,nebst Nachrichten von seinem Leben und einem An-hange über Wahrsagen und Prophezeihen, Stuttgart,C- A- Sonnewald'sche Buchhandlung" in 16, Bo-gen , Preis 12 Kreuzer. Kleine Züge charakterisirenoft bedeutend, so auch hier: das Büchelchen ist ohneWerth, das hat der Herausgeber gefühlt und sich des-halb nicht genannt. Die Buchhandlung (denn dieFirma der Sonnewaloschen Buchhandlung ist usurpirt),welcher dieses Buch gehört, wollte sich auch nicht schadenund nannte sich deshalb auch nicht. Die süoveutscheZeitung, welche Eigenthum der Hallbergcrschen Buch-handlung ist, hat diese Schrift wenigstens schon 15 malangepriesen: die Speculation ist nicht übel: der Titelreizt und 12 Kreuzer sind, wenn auch dafür enorm,an uno für sich doch wenig und man giebt's leichtaus. Der Herausgeber ist nicht zu bedauern, wohlaber der Uebersctzer, der den ausgemachtesten Unsinnin gereimten Versen übersetzen mußte. Man glaubtmit Bestimmtheit, daß A. Lcwald der Herausgeber ist.— Der erste Theil der Dogmatik vonI)r. Strauß liegt im Manuskripte fertig da. Wer

*) Wir werden nächstens ausführlicher darüberberichten. D. Red.

es verlegen wird, weiß man noch nicht. — Die wür-tembergische Regierung hat die Beschlagnahme derTragödie „Jesus" von Consentius genehmigt. Manhat auch darüber nachgedacht, ob man den Dichter desLandes verweisen soll, doch ging dieser Vorschlag nichtdurch, und man zog es vor, ihn vor Gericht zustellen. Consentius hat seinen Freunden auf den Tag,an welchem seine Tragödie zerstampft wird, ein FaßBier versprochen.

ch Aus Solothurn. Herr von Haller,der Restaurator von Europa und Erminister von Karldem Zehnten, ist nach München gereist. Manversichert in Solothurn, er sei dem herannahendeneidgenössischen Schießen aus dem Wege gegangen,seine zarten feinen Gehörnerven könnten so populairesKnallen nicht ertragen. —-

H. Koenig, der ausgezeichnete deutscheDichter und Publicist, der bisher in Hanau alsFinanzkammer - Secretair lebte, ist jetzt nach Fuldaan das dortige Obergericht versetzt worden, und hatdadurch die Ungunst von oben her erfahren, von derwir schon früher in diesen Blattern gesprochen haben.Diese Tienstversetzung erregt gegenwärtig in Hessengroßes Aufsehen, da ihr Motive zum Grunde zu liegenscheinen, die man nicht billigen kann. Es will näm-lich den Anschein gewinnen, als suche man Koenig'sschriftstellerische Thätigkeit, die man an gewissen Or-ten nie gern gesehen, zu vernichten, indem man ihn,der nicht Jurist ist, sondern stets bei der Finanz-Admi-nistration angestellt war, jetzt zu einer Gerichtsbehördean Arbeiten setzt, die seiner Schule und seiner Uebungfremd sind, zudem nach Fulda, wo ihm unter sei-nen katholischen Landsleuten und unter den Priestern,welche ihn erco m municirt haben, nur die unan-genehmste Stellung zu gewärtigen ist. Herr Koenighat indeß eine Verwahrung gegen die Folgen seinerDienstversetzung für die Dienstgeschäfte und gegen dieFolgerungen aus ungenügenden Arbeiten auf seinerechtlichen Ansprüche an den Staat durch das Gerichteinreichen lassen, und zugleich erklärt, daß er alleeigentlich juristischen Arbeiten von sich ablehnen werde.Koenigs Angelegenheiten ist noch ohne höhere Resolu-tion. Es wäre zu wünschen, daß dieselbe bald ineinem Sinne ausfallen möchte, welcher der Humanitätund der Rücksicht, die jeder Staat geistigem Verdienstschuldig ist, gemäß wäre! —

Von Wilhelm Waiblinger's gesam-melten Werken (rechtmäßige Ausgabe letzterHand, Hamburg, Georg"Heubcl) ist der achte undneunte Band erschienen, die auch unter dem beson-dern Titel: Wanderungen in Italien, zweiBände, ausgegeben werden. In den SchilderungenItaliens hat Waiblinger's Talent seinen Höhepunkterreicht, wie sein ganzes menschliches Wesen in die-sem Lande einen neuen Aufschwung genommen hatte.Man wird daher auch diese vermischten Darstellungenvon Einzelzuständen des italienischen Lebens mit In-teresse lesen, und darin einer Auffassung Italiensvom vielseitigsten Gesichtspunkt begegnen, wie siedurch neuere Darstellungen keineswegs überflüssig ge-macht ist. Von Waiblinger's Schriften liegt nuneine geordnete und stattliche Reihe vor, und es fälltder Kritik anheim, die Leistungen dieses Autors, demeigentlich jetzt erst ein größeres Publicum gewonnenwerden soll, im Zusammenhange zu charakterisiren.