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Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen
Literatur- und Völkerzustän-e.
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M30.
(Ausgegeben am 13.Juli 1840.)
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Verlag von I. F. Hammerich in Alton«. ^
L84«
^ Druck von B. G. Teubner in Leipzig.
Spanische Zustande.
Nach langjährigen Wirren aller Art scheintauch in Spanien der Augenblick nicht mehr sosehr entfernt zu sein, in welchem die innereRuhe wieder hergestellt werden wird. Es trittaus dem langen Kampfe mit errungener poli-tischer Freiheit heraus; mit ihr ist zugleich diePeriode einer neuen Entwickelung gegeben, die,nach allen Verhältnissen, nur eine glücklichesein kann.
Sehen wir auf das Land, so umfaßt esüber 9000 sZMeilen; es liegt unter dem glück-lichsten Himmelsstriche; sein Boden ist derfruchtbarste, sein natürlicher Reichthum sehrgroß; zwei Meere umgeben den größten Theilvon Spanien, und zahlreiche und sichere Häfenbieten seinen Handelsfahrzeugen überall Zu-flucht und Schutz.
Die Zahl seiner Bewohner übersteigt nicht12 Millionen. Sie sind ein Mftiger, abge-härteter, nüchterner und mit wenigem zufrie-dener Menschenschlag. Man hält sie für aber-gläubisch und unwissend, weil sie Ehrfurchtvor der Geistlichkeit und der Religion haben,zu deren Cultus sie sich bekennen; aber esgiebt nur sehr wenige Spanier, die nicht lesenund schreiben können. Man hält sie für träge,weil sie in dem Ackerbau, wie in den Künstenund Gewerben nicht gleiche Fortschritte ge-macht haben, wie wir. Aber sie kennen unserJagen nach vorübergehenden Genüssen nochnicht, und wenn sie eine stolze Ruhe dem ängst-lichen Zerarbeiten und Abmühen vorziehen,mit welchem unsere industrielle Bevölkerung
auf Dampfwagen eilend, mit Baumwolle be-kränzt und Gaslichter in den Händen, nachdem ersehnten materiellen Eldorado hinsagt,ohne es je erreichen zu können, so ist vielmehrihre Gnügsamkeit als ein Mangel an That-kraft und Energie die eigentliche Ursache da-von; daß ihnen beides nicht fehlt, zeigen diekriegerischen Anstrengungen, und alle die Ent-behrungen und Opfer, durch welche sie, seit1808, Fremdartiges abgewehrt haben, und zu.politischer Freiheit gelangt sind. Die Kraftist da, wie bei uns, sobald der Affect berührtwird, der sie bewegt; der Unterschied nur der,daß wir sie mehr für den Mammon gebrauchen,den der Spanier verachtet, während er sie fürNationalstolz, Nationalhaß, für Rache u. s. w.entfaltet, die wir unserer Seits, nach unserenkosmopolitischen Ideen, dem Mammon nach-setzen.
Wie sie ihr Stolz andere Nationen gering-schätzig betrachten läßt, so wird er für siezur Quelle einer Vaterlandsliebe, und einesGefühls für die eigene Nationalität, die allesFremdartige schroff zurückstößt, und der Natio-nalcharakter der Spanier hat sich von fremdenEinflüssen freier, als der irgend eines andernVolkes erhalten.
Darum hat er auch den unverkennbarstenEinfluß auf ihre Sprache, auf ihre Poesie,Kunst und Literatur ausgeübt.
Ernst, wie ihr Charakter, ist auch dieSprache der Spanier. Von jenem nichtsbe-deutenden Wortschwalle der Franzosen undItaliener findet sich darin keine Spur; jedesWort, was der Spanier anwendet, hat auch
Sinn und Bedeutung. Doch ist sie auch demheiteren Sinne nicht abgeneigt, nur daß starrder witzelnden Calembourgs mehr sinnreicheWortspiele vorkommen. Schon die Mengeund Bedeutsamkeit der spanischenSprüchwörterverbürgt ihren Geistesreichthum. Wo aber dieSprache selbst schon reich und bedeutsam ist,da kann es auch an Poesie, Kunst und Litera-tur nicht fehlen; so ist es in Spanien.
Die Malerei erkennt in der spanischen eineeigene Schule, und die Namen Velasquez,Murillo, L. de Vargas und A. leben in demMunde der Nachwelt. Es fehlt Spanien nichtan großen Bauwerken. Doch ist die neugo-thische Baukunst germanischen Ursprungs, undin Spanien mit der maurischen Architektur inConflict gerathen, so daß von den Formen,welche sich daraus entfaltet haben, nur Wenigesden Spaniern eigenthümlich'angehören möchte.
Ungleich herrlicher dagegen hat sich diePoesie in Spanien entfaltet.
Zuerst machte sich die provenzalische Poe-sie auch in Spanien geltend; doch konnte sie,bei der Energie, mit welcher der spanischeCharakter alles Fremdartige abwehrt, nicht tiefeindringen, und hielt sich nur in den anFrankreichs Grenzen unmittelbar gelegenenGegenden eine Zeitlang in Ansetzn.
Ihr trat sehr bald die castilische Poesie ent-gegen, und verdrängte sie um so eher wieder,als sie auf echt nationeller Basis ruhte, undCastilien nach und nach zur Oberherrschaftüber ganz Spanien gelangte.
Sie entwickelte sich mitten unter den rit-terlichen Kämpfen gegen die Mauren, die mit