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Won dieser Zeitschrifterscheinen wöchentlich2 Nummern oder2 Druckbog^i. AlleZusendungen werdenmit der Bezeichnung:
„ An die Reda-ction des Piloten"unter Adresse derBuchhandlungE. F. Steinacker inLeipzig erbeten.
Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen
Literatur- Völkerzuftän-e.
Herausgegeben von -er Ne-action-es Freihake«».
Man ab onnirt auf denPiloten für den jährli-chen PränumcrationS-preis von 8 Thlr.,halbj. mit 4 Thlr.,viertelj. mit 2 Thlr.Pr. Cour. bei allenwohllöbl. Postämternwie in jeder solidenBuchhandlung. Inse-rate werden gegen Ver-gütung von I Gr. fürdie Pctitzeile aufge-nommen , Beilagenmöglichst billig be-rechnet.
M34.
(Ausgegeben am 27. Juli 1840.)
Verlag von I. F. Hammerich i» Alton«. ^
L84«
^ Druck von B. G. Teubner in Leipzig.
Französische Tageszustande.
Von Eduard Arnd in Paris.
I m Juni.
I.
Seit der Mitte Februars, wo ich Ihnen ei-nige Nachrichten über hiesiges Leben und Trei-ben eingesandt, ist der Stoff zu solchen Mit-theilungen etwas reicher als damals geworden,was ungefähr alle Jahre um diese Zeit der-selbe Fall ist. Das hiesige Leben, das sichscheinbar so willkürlich bewegt, in dem so viel,wenn auch nicht gerade immer Neues, aberdoch Unerwartetes geschieht, dessen ruhige Ent-wickelung so oft unterbrochen wird, ist beialler Mannigfaltigkeit, im Ganzen betrach-tet, weder so unregelmäßig noch so wandelbar,wie es aus der Ferne und von einem fremdenStandpunkte aus betrachtet, erscheinen mag.Man könnte im Gegensatze zu der im Aus-lande herrschenden Meinung behaupten, daßdie Franzosen ein sehr methodisches Volk sind,methodischer unseres Trachtens nach, als ir-gend ein anderes, nur daß die Bahn, auf derihr Dasein sich bewegt, das Ziel, auf das sielosgehen, von dem andrer Nationen verschie-den ist und daß demnach auch die einzelnenErscheinungen einen andern Charakter an sichtragen müssen. Wie genau und in sich zusam-menhängend die französische Nationalität sichim Laufe ihrer Geschichte entwickelt hat, istheute nicht unsere Absicht zu betrachten, ob-gleich ein stätigerer Fortgang als bei irgendeiner andern modernen Nation nachgewiesenwerden könnte; wie bestimmt die französischen
Sitten und Gebräuche z. V. im Vergleiche zuden Deutschen sind, weiß Jeder, der beide Völ-ker auch nur oberflächlich kennt; aber auch dieOrdnung und Folge des Lebens in dieser gro-ßen Stadt, in der beim ersten Anblicke Allessich zu verwirren, vorüberzueilen, ohne Wie-derkehr zu verschwinden scheint, ist ein sowohlin größer» als kleinern Verhältnissen bemer-kenswerther Zug und seine Beobachtung kanndazu dienen, das innere Maß in der raschenBewegung des französischen Lebens zu erken-nen, und die oft verborgene aber immer vor-handene Einheit in diesem dem Scheine nachsich widersprechenden Wesen zu finden. DieInkonsequenz im hiesigen Treiben, die übri-gens überall stattfindet und nur hier bei derOefsentlichkeit, mit der Alles auftritt, der Le-bendigkeit, mit der die Individualität sich her-vordrängt, bei der in einer Stadt concen-trirten Masse der Erscheinungen mehr bemerktwird, entsteht aus den Widersprüchen, die sichim französischen Charakter mehr als in demanderer Nationen vorfinden, aber keineswegesaus den Sitten und Einrichtungen der bürger-lichen Gesellschaft, die im Gegentheil in sichsehr geschlossen und bestimmt sind, währenddie im Wesentlichen wenigstens eben so gro-ßen Inkonsequenzen des deutschen Daseins nichtaus dem Charakter der Nation, der seiner ur-sprünglichen Anlage nach in sich sittlicher unddarum fester ist, sondern aus den unzusam-menhängenden, sich oft unter einander entge-gengesetzten und locker verbundenen Elementendes öffentlichen Lebens hervorgehen, das demEinzelnen keinen so festen Halt wie in Frank-
reich gewährt und dem er sich nicht so innigverbunden, wie hier fühlt. — Eine immerbewegte Oberfläche unter den Franzosen läßtauf einen zu großen Widerstreit im Grundeihrer Existenz schließen, der, wenn wir unsnicht gänzlich irren, eigentlich nicht stattfindet,während ein äußerlich regelmäßigerer Ganz inDeutschland die innern Widersprüche bedeckt,die unter dieser stillen Hülle zwar noch schlum-mern, aber dennoch vorhanden sind. Es thutsich in Frankreich, bei dem wandelbaren Na-turell der Nation, weit mehr äußere Inkon-sequenz auf, es liegt aber in der Tiefe desdeutschen Lebens, in Bezug auf die wichtigstenallgemeinen Verhältnisse, wie Staat, Religion,Politik weit mehr innere Disharmonie ver-borgen, es findet sich, wenn man seine Be-trachtungen nicht auf die Gegenwart und dieOberfläche der Erscheinungen einschränkt, eingrößerer Widerstreit vor, der allerdings viel-leicht erst sehr spät allgemein fühlbar werdenwird, an dem sich aber hier und da schon jetztsehr bedenkliche Vorzeichen ankündigen. Dochzurück von dem, was sein und werden kann,von der trüben Scene einer noch verhülltenZu-kunft, zu dem offnen und heitern, Jedermannzugänglichen, Theater der hiesigen Gegenwart.
Unter die frommen Vorsätze Goethe's, dieer unausgeführt gelassen, gehört auch die dich-terische Beschreibung eines römischen Jahresnach Art der ovidischen Fasten, bei dem dieruhige und reizende Form, in der das römischeLeben sich bewegt, dem mehr epischen als dra-matischen Talent unsres großen Dichters einentrefflichen Stoff geboten hätte. Vielleicht hätte