ist gehalten worden, u. s. f. Mehreres vonihm ist in Straßburg gedruckt worden, undnachdem Murner im Jahr 1529 sich von Luzernentfernt, soll er noch einige Jahre in Nieder-deutschland gelebt, und noch einige mit satyri-schem Satz gewürzte Schriften herausgegebenhaben.
Bern giebt erst das Jahr 1545 für dieEinführung der Druckerei an. Man halt ei-nen Wernli und Stüber für seine erstenDrucker. Jedoch läßt sich vermuthen, daß schonin dem Jetzerischen Pfaffenhandel da seigedruckt worden. Vermuthlich sind die Be-schreibungen, welche Vater Anselm, ge-nannt Ryd, und Niklaus Manuel da-von gegeben, schon aus BernerPressen hervor-gegangen. Das Haupt der Buchdrucker vonBern ist Mathias Apiarius, der umsJahr 1530 seine Werkstücke öffnete. Sehr seltengewordene Ausgaben von ihm sind: Seb.Franken Chronica des ganzen teutschen Lan-des, aller teutschen Völker, Herkommen, Na-men, Händeln, guten und Lösen Thaten, Re-den, Räthen, Kriegen, Gesaze, Polozey, vorund nach Christi Geburt fürgestellt durch Se-bastian Franken von Wörd. Fol. mit einemBären, der an einem Baumstamm Honig suchtund den Bienen umschwärmen. Ferner: Oa-tuIoZus unnorum et priuo'puin gemilius ab ko-mme condito usgiie in pruesentem, a nutoLkristo 1540 »nimm cleciuetus et continnutusper D. V. ^nselmumH^ck, auch mit oben-erwähntem Bilde. Um diese Zeit sind auchnoch einige Komödien erschienen, welche diejungen Berner aufgeführt, Israels Erlösungdurch Gideon und Noes Ueberwindung vomWein.
Die Buchdruckerei zuNeuenburg begannmit der Reformation. Pierre de Vingledruckte im Jahr 1535 eine Kirchenordnung inkl. Octav mit gothischen Buchstaben, und einefranzösische Bibel mit einer lateinischen Vor-rede von Calvin in gr. Folio; in Lausannetraten um 1556 JoannRiveri und Franc,le Preur auf; in Morsee ein Jean lePreur. St. Galle n's erster Buchdruckerwar Leonard Strub, Mühl Hausenhatte schon um 1565 eine Druckerei. InFrei -bürg in Uechtland druckte um 1585 Abra-ham Gämperlin. Man hat aus dieserPresse Betrachtungen und Gebete des sel. Bru-der Claus Ronflun, und das Leben der heil.Jta Gräfin von Kirchberg, beide zusammenge-tragen von Petrus Canisius. Im Jahr 1588druckte Wilhelm Maeß daselbst kraar.
Ouillimuuni de rekus Helvetiorum sive^.ntiguitutuM lllibr. V. In Schafhausenbegann Konrad Waldkirch den Vücher-druck im Jahr 1590. In Bündten ist zuerstim Jahr 1584 erschienen: ?68ckluviiRkuetorumper 6. et Imni1oIpkc>8 und via uc ratio illu-strium RImetorum ab Rupknele Lglmo ligurinode8criptu. In der italienischen Schweiz, zuComo, war schon im Jahr 1521 gedruckt:I iibri del? urckitetturu <li N. Vitruvio, traduttie comentuti du Oe8ure Oe8ariano. Oome perUugi8tro Oottkurdo du korcke ; später, imJahr 1598 druckte Hieronim Frovam diedi8pututiom8Viran6N8i8 desKicoIaHu8ea,Erzpriefters zu Sondrio.
So haben wir denn in möglichster Ge-drängtheit eine Uebersicht der Entwickelungs-geschichte der Buchdruckerpresse in der Schweizgegeben, und glauben dadurch auch den deut-schen Schriftstellern und Buchdruckern einennicht unwillkommnen Beitrag zur nähern Wür-digung und umfassendern Beurtheilung der ge-feierten Kunst mitgetheilt zu haben. Wirschließen mit einer den Gesichtspunkt, aus wel-chem wir diesen Beitrag aufgefaßt wünschten,erhellenden Bemerkung von Probst Göldlin.
Man kann aus dem Fortgang der Buch-druckerkunst, welche sich in der Schweiz frühentwickelt und in allen Fächern geistlicher undweltlicher Wissenschaften vervollkommnet hat,aufdie w issenschaftliche Cultur schlie-ßen. In allen Theilen wurden alte Handschrif-ten hervorgesucht, gesammelt, verglichen, er-klärt und beurtheilt. Beim Aufsuchen der al-ten Kirchenväter und der römischen und grie-chischen Klassiker ward man auf das Geprägdes Guten und des Wahren, aufdie Grund-sätze der Kunst und der Kritik, auf den gu-ten Geschmack, auf die Reinheit der Sprachenund Wohlklang des Ausdrucks aufmerksam ge-macht. — Es galten aber auch in dem Sinneeines denkenden Kopfs die ersten Druckwerke,wenn auch viele von wenig brauchbarem In-halt für unsere Zeit sein mögen, auch schonnur deswegen viel, weil er dadurch das all-mälige Wachsthum der Wissenschaften beob-achten und durch Vergleichung das Steigenund Fallen derselben abziehen kann. Der in-und ausländische Beobachter kann so den Gangder Wissenschaften messen, kann den Verände-rungen und ihren Ursachen nachspüren, kannaus den Druckwerken und verschiedenen Aus-gaben beurtheilen, welche Sprachen vervoll-
kommnet, welche Wissenschaften betrieben wor-den seien, welche Gelehrte an diesem oder je-nem Fache der Wissenschaften am meisten Theilgenommen, den größten Einfluß geübt, mitgrößerm Erfolg gearbeitet haben. Wo es amleersten aussieht, wird es am meisten auf Rech-nung jenes Zeitraums zu setzen sein, wo Re-ligionsstreite und Kriegsgefahren die friedlie-bende Muse in ihrem stillen Wirken störtenoder unterbrachen, oder wo herrschende Schul-meinungen die Freiheit der Forschung hemm-ten und die Verbreitung der Ideen hinderten.Das Gleiche gilt von den schö n en Künsten,die gewöhnlich den Wissenschaften zur Seitegehen, und nicht selten vom gleichen Geiste,vom gleichen Nationalcharakter ausgehen undauch mit ihnen die gleichen Schicksale theilen.
Wir sind auch dieser Meinung und möch-ten nun jeder bei der bevorstehenden Feier hoch-schlagenden Brust den Wunsch nahe legen, daßLiteratur und Druckpresse, die für ein-ander Seel und Leib sind, sich nirgends möch-ten trennen lassen, und daß kein Stand,keine Stadt, kein Land, so weit derBoden der Cultur reicht, und wo immer ge-schrieben und gelesen wird, sich der Theil-nahme an diesem Triumphzuge des menschli-chen Geistes entziehen möchte. Die Druckpresseist die beste Wehr und Waffe gegen alle Gei-stessklaverei und jeden geistlosen Druck undZwang; sie ist das sich selbst schützende Gai-steswerkzeug, welches die Pforten der-HöllednEwigkeit nicht überwältigen werden.
Als Herzensgabe, als Geistesgruß legenwir diese Alpenblumen auf den gemeinsamen,europäischen Festaltar der großen Erfin-dung und des freien Gebrauchs derBuchdruckerkunst eine Strophe aus dem Scaz-zon in urti8 iinpre88oriae meritsm luudem *)des schweizerischen Philosophen und von ei-nem großen deutschen Kaiser gekrönten PoetenJoachim von Watt, Vadian vonSt.Gallen.
6ermnnu8 is, gu! Iiterg.8 tllält 8tanno,Ooeuitgue tnntum compriml 8emel proelo,tzuantum eelerrimae inaium die lonxoKerlbunt, boatu8 et perenniter kelix!kraeoellit dercle ouneta priscorum inventu,tzuairto melius anlnmm pollre, guam corpus.
I. P. V. Trorler.
*) Dieser Scazzon findet sich am Ende der zuWien 1512 gedruckten Briefe Ä1s§n1 lurci.