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Der Minister der öffentlichen Arbeiten, GrafZaubert, hat den leichten, gewandten, witzigenTon eines vornehmen Franzosen und eine be-deutende Gesichtsbildung, er ist, wie man diesin Frankreich so oft vereinigt findet, ein Welt-und Geschäftsmann zugleich und besitzt die An-muth des Einen und den Ernst des Andern.Dies sind die eigentlichen Redner des Ministe-riums, die übrigen sind Specialitäten, die auch,wie der Kriegs - und Finanzminister, in ihremAeußern den Stempel ihres besondern Beru-fes tragen. Nichts ist übertriebener, als dieaffectirte Geringschätzung, mit der die republi-kanischen und legitimistischen Journale undin deren Nachahmung oder wenigstens in derder letztern, zuweilen deutsche Blätter, von demtrivialen Ansehen der französischen Deputirten-kammer, den niedrigen Stellung, des größtenTheiles ihrer Mitglieder, ihren gemeinen Ma-nieren u. s. w. sprechen und sie als Bourgeois,im französischen Sinne dieses Wortes, hin-stellen. In diesem Lande ist im Treiben derParteien die Wahrheit von der Lüge kaum zuunterscheiden, man muß nur seinen eigenenAugen und Ohren trauen. Die Deputirten-kammer gewährt, im Ganzen, einen imposan-ten Eindruck. Eine aristokratische Versamm-lung, wie die des Adels der alten General-stände, mag wahrscheinlich mehr manirirteFormen, größere äußere Wichtigthuerei, mehrVerblasens, gleisende, seitliche Gesichter auszu-weisen gehabt haben, schwerlich aber sich durchgrößere Würde, wie die konstitutionelle Natio-nalrepräsentation, ausgezeichnet haben. DieErscheinung der äußern Schönheit und An-muth ist übrigens für den, der einen Theil derhohen und höchsten Personen Europa's gesehenhat, nichts weniger als das Erbtheil eineserhabenen Ranges. In manchen Ländern wirdAlles, was mächtig oder von vornehmer Her-kunft ist, für schön, feingebildet, angenehmu. s. w. angesehen und die äußere Situationauf die Person übergetragen. Der Deutschehat z. B. eine anerzogene und angeborne Liebezum Jdealisiren. Da wo ihm irgend eine be-deutende Eigenschaft oder Macht entgegentritt,erkennter auch sogleich in-derPersönlichkeit ihrerTräger eine besondere äußere Distinclion, auchwenn in der Wirklichkeit sich keine Spur vonihr findet. Es hat dies seinen Grund in einernatürlich guten Gesinnung und einem poeti-schen Naturell, wenn es auch nicht immer voneinem scharfen und freien Urtheil, durch daswir uns in Bezug auf äußere Gegenstände über-haupt, bis jetzt, nicht sonderlich bervorgethan,beweist. Ganze Stände werden auf diese Artin Deutschland idcalisirt und oft weit über ihre
wahre Bedeutung und ihr wirkliches Verdiensthinausgesteckt. Diese Neigung, mit äußernThatsachen willkürlich zu spielen, hat übri-gens auch ihre sehr ernste Seite und drückt demganzen Leben ein oft verworrenes und unklaresGepräge auf. Der Franzose wird von diesemFieber der Bewunderung selten befallen, erleidet an der entgegengesetzten Krankheit, erliebt das Häßliche, daher die Caricatur es ist,die ihn am meisten anspricht. Da er an Allem,was nicht er selbst ist, sehr viel zu tadeln findet,so stellt er die ihm fremde oder widerwärtigePersönlichkeit so niedrig, so daß man sie, wennman selbst an ihre Betrachtung geht, nicht wie-dererkennt. Er bewundert gewöhnlich nur dieDinge, die mit ihm auf irgend eine, wenn auchäußerlich nicht immer sichtbare Weise in Ver-bindung stehen und verachtet oder übersiehtvielmehr leichtsinnig alles Uebrige. DieserHang zumCarikiren ist dem des Deutschen zumJdealisiren schnurstracks entgegengesetzt und be-weist, unter Andern:, wie fremd sich das In-nere beider Nationen ist. Ein rühmlicher Zugim französischen Charakter ist die weniger alsin Deutschland hervortretende Neigung, dieäußere sinnliche Macht zu vergöttern und sichihr unbedingt unterzuordnen. Diese Verschie-denheit, die jedem Unbefangenen, der beideNationen betrachtet, aufsacken muß, geht jedochbei den Franzosen nicht aus einer tiefern An-lage des Gemüths zur Unabhängigkeit hervor,denn sie waren früher eine Zeit lang das ser-vilste aller Völker, sondern aus der Thatsache,daß sie sich seit fünfzig Jahren einer größernäußern Freiheit und Gleichheit erfreuen, dienatürlich auch das Selbstgefühl des Indivi-duums erheben muß.
In den äußern Verhältnissen Frankreichshat sich seit einiger Zeit wenig oder nichts ge-ändert, außer daß die englische Allianz durchdas gegenwärtige Ministerium für einige Zeitbefestigt ist. Von den Planen der Regierungin Bezug auf die orientalischen Angelegen-heiten weiß man im Publicum so viel wienichts , dies wendet übrigens, wie überall, woim Innern ein bedeutendes öffentliches Lebenwaltet, auf die äußern Verhältnisse eine nuruntergeordnete und zerstreuete Aufmerksamkeit.In Afrika hat sich die Tapferkeit der französi-schen Soldaten, in der letzten Zeit, bei derUeberwindung so vieler Schwierigkeiten, glän-zend bewährt, aber die Stimmung gegen denMarschall Valcke, der dort befehligt , wird im-mer feindlicher und er wird sich schwerlich langin seiner bisherigen Stellung erhalten können.
Im Innern aber sind einige wichtige Ge-genstände verhandelt worden, deren Zusam-
menstellung den Leser, der den Zustand dieseseinflußreichen Landes in seinem Zusammen-hange auffassen will, interessiren wird. —Der lange Kampf zwischen den Producentendes inländischen Zuckers und den Eolonien istendlich entschieden worden. Die einheimischeFabrikation, die so große Gegner hatte, istendlich definitiv erhalten, aber höher als frü-her besteuert worden. Die Colonien, die ihreVernichtung verlangten, werden über diese Be-stimmung nicht wenig, schreien.. Der Gegensatzzwischen ihnen und dem Mutterlands wird im-mer schneidender. In ihrem Journal „I'Ou-tremer" vertheidigen die Colonisten mit fran-zösischer Keckheit und aus Gründen, die solcherSeelenkäufer würdig sind, die Sklaverei derSchwarzen, die sie in der Geschichte, der Phi-losophie und sogar dem Evangelium, nicht nurgeduldet, sondern selbst gerechtfertigt und be-stätigt finden. Diese Pflanzer sind, ohne Zwei-fel, die ersten Conservariven in der Welt unddie Muster ihrer Gattung, und stehen aus einemnicht historischen Boden, wenigstens auf demweitesten, denn sie nehmen die classische Auto-rität Griechenlands und Roms für ihre Partei-srage in Anspruch, den Orient u. s. w., wäh-rend die Conservativen des europäischen Kon-tinents sich nur auf das beschränktere und wan-delbarere Gebiet der Feudalzeit stützen könnenund sich mit der Wiederherstellung des Mittel-alters bescheidentlich begnügen würden. DieseColonialfrage ist übrigens für Frankreich sehrwichtig und schwierig. Die Emancipation derNeger muß, ohne Zweifel, den Verfall derColonien zur Folge haben und doch beschäf-tigen diese ein Fünstheil aller französischen See-leute, der Verkehr mit ihnen bildet ein Drei-zehntheil des gesummten französischen Umsatzesund sie bieten der Marine des Mutterlandesvortreffliche Stationen dar.. Eine Revolte vonihrer Seite ist aber unmöglich, einmal habensie nicht die Macht dazu und dann würden sieden Engländern in die Hände fallen, die mitihnen noch weniger Umstände als die gegen-wärtige französische Regierung machen wür-den, Die zur Schlichtung dieser Angelegenhei-ten niedergesetzte Commission, an deren Spitzesich ein so trefflicher Mann, wie der Herzogvon Broglie, befindet, wird sich wahrschein-lich für eine progressive Befreiung der Sklavenerklären, den einzig möglichen Ausweg indem zwischen den allgemeinen Grundsätzen derZeit und dem Jirteresse der Pflanzee stattfin-! denden Widerstreite.
! Der lange Kampf über den Vorschlag der! Rentenumwandlung, bei dem, von den ver-j schiedenen Standpunkten aus, alle möglichen