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Wie wurde jedoch der Alamir von Herrn Roppadargestellt! Was vereinigt nicht dieser wahrhaft großeKünstler in sich! Welche kolossale Stimme, welcheSchule, welches Spiel! Noch nie hat Leipzig einensolchen Tenoristen auf seinen Brettern gesehen undwird ihn so leicht auch nicht wieder zu sehen bekommen.Mit welcher Leichtigkeit, welcher Kraft und doch zu-gleich mit welcher Zartheit rollten wie Perlen dieTöne aus dem Munde des Sängers; mit welcher Ge-wandtheit brachte er Licht und Schatten in seinen Ge-sang. Die Arie: Irsmn ste. sang er Wahr-
haft unübertrefflich! Die Versammlung verlangte dieArie Da, 6apo, und nachdem er diese so sehr angrei-fende Nummer mit der größten Leichtigkeit und dersel-ben Anmuth noch einmal gesungen hatte, wurde erherausgerufen. Diese gleichmäßige Schönheit allerTöne, sowohl in der Höhe, als der Tiefe, findetman nur äußerst selten. So sang er das erstemal inder Arie das eingestrichene L mit voller Brust unddas zweigestrichene Des so rein, daß ein weniger ge-übtes Ohr nicht unterscheiden konnte, ob dieser TonBrust oder Falset sei. Auch die Komposition dieserArie verdient ihre volle Anerkennung. Sie ist wirk-lich schön und der Maestro Donizetti hat einmal ge-zeigt, daß er auch etwas Gutes schreiben kann, wenner will.
Das Ensemble ging in allen fünf Vorstellungen(die fünfte war eine Wiederholung des Belisar) vor-trefflich , desgleichen die Chöre, was um so mehr Lobverdient, da dieselben in ungefähr acht bis vierzehnTagen dem hiesigen Chorpersonale einstudirt wordensind. Auch unserem verdienstvollen MusikdirectorBach und dem braven Orchester muß man die vollsteAnerkennung gewähren; es geschah auch von ihrerSeite Alles, was zur möglichst vollkommenen Dar-stellung beitragen konnte.
Die Gesellschaft geht von hier aus nach Pesth,wird aber vielleicht im November dieses Jahres wie-der hier eintreffen und abermals eine Reihe Vorstel-lungen geben.
Ferdinand Gleich.
—Aus Dresden, August 1840. — DieKunstausstellung. — Die Wassere uren.— Seit 14 Tagen findet die jährliche Ausstel-lung von Werken der bildenden Künste statt, womitsich, jedoch keinesfalls zweckmäßig, diesmal einesolche von Gegenständen der Gewerbe und Industrieverbindet, da im größern Andränge des Publicumsdas Interesse für die eine Abtheilung dem für die an-dere schadet. Man sieht die fünf großen Cartons vonBendemann: Moses, David, Salomo,Zoroasterund Lykurg, deren Ausführung nlkresco im königlichen Schlosse geschieht. Die Arbei-ten mehrerer wackern Schüler dieses Meisters, wieMetz, Schüßler, Schadow, Paul u. A.,hängen in der Nähe. Eine andere hiesige Künstler-größe, Vogel von Vogelstein, hat zwei grö-ßere historische Gemälde geliefert: Die Auferwe-ckung des Lazarus, welche vom sächsischenKunstvereine angekauft ward, und ein Altarbild:Der heilige Joseph von Calazano, wieer am Altar mit seinen Schulkindern um den Bei-stand Gottes für sein Unternehmen, die Stiftung derArmenschulen im 16. Jahrhundert, bittet. AnLandscha st stücken weist die Ausstellung Arbeitenvon Dahl, Crola, Oehme, Kummer,Wagner, Goldstein, Troll, Sparmann
u. A. auf. Die von der Kritik belobten Gemäldedes jetzt hier lebenden javanischen PrinzenRaden S aleh, der erst seit etwa sechs Jahrensich mit der Malerei beschäftigt, finden natürlichneben dem Kunstinteresse noch ein persönliches. Einanziehendes Bild ist auch: Der Rückzug derfranzösischen Armee aus Rußland imI. 1812, von Raimond de Baur in Berlin.Noch erwähne ich schließlich einiger guten Copien derPortraits Rembrands und Rubens und eines Origi-nalportraits als Kniestück von Ludwig Tieck. — Intechnischer Hinsicht sind von vaterländischer Bedeut-samkeit insbesondere die Arbeiten und Modelle dervor vier Jahren auf Actien errichteten Maschinenbau-Anstalt in Uebigau bei Dresden, welche in neuererZeit, unter der technischen Leitung des EngländersBrook, an Ruf gewonnen hat.
Die romantisch dicht an der Elbe gelegenen Werk-gebäude der Anstalt mit ihrer betriebsamen Dampf-säule bilden einen seltsamen Contrast mit dem ehema-ligen königlichen Schlosse Uebigau daneben, welchesunter dem prunkliebenden August II. und III. oft derSchauplatz rauschender Hofseste, noch öfter aber wohldie Stätte solcher Freuden war, welche ihrer Naturnach Zurückgezogenheit verlangen, und bekanntlichan den beiden Augusten große Verehrer hatten. Dasstattliche Schloß ging in neuerer Zeit käuflich an ei-nen Privatmann über, der es wieder Vortheilhaft anjene Aetiengesellschaft abtrat. Als Geschäftslocaleund Beamtetenwohnungen dienen diese sonst ver-schwenderischer königlicher Lust geweihten Räume jetztdem praktischen Erwerbsgeiste, und die Technik sitztauf dem Throne, wo früher die schönen Künste demHerrscher huldigten.
Die Hydri atik gewinnt in Sachsen immer mehrTerrain. In Dresden besteht eine Gesellschaft vonWassersreunden, welche dem jetzt so gefeierten Ele-mente beständig neue Anhänger zu gewinnen strebt,und in jeder neu errichteten Wasserheilanstalt einenneuen Tempel der gesunden Vernunft und einen Tri-umph über die systematische Vergiftungskunst der altenSchule erblickt. Die Aerzte haben übrigens gar keineUrsache, die Wasscrheilkunde zu verketzern, wie esbisher so häufig im offenen Angriff oder in versteckterVerdächtigung geschah, weil sie ihre Existenz dadurchgefährdet glaubten. Denn dies moderne Panchrestummacht den tüchtigen Arzt keineswegs entbehrlich , son-dern vielmehr bei jeder wirklichen Cur zur unerläßli-chen Bedingung. Nur die Apotheker dürften baldUrsache haben, über die gefallene Größe ihrer Gift-küchen zu trauern, aus denen die verblendete Mensch-heit seit drei Jahrhunderten, statt der Befreiung vonder Krankheit, für schweres Geld nur neueKrankheitsformen holte. Wahre Aerzte,welche die Heiligkeit ihres Berufes ganz erkennen,sind nicht mehr bereit, der starren Systcmsucht diegroße Wahrheit aufzuopfern, die der HydropathischeMessias auf dem Gräfenberge unmittelbar aus demBuche der göttlichen Natur entnahm, und nicht durchpomphafte medicinische Journale, sondern durch That-sachen weiter verkündigte, deren Entwickelung jederZweifler durch Gesicht, Geruch, Gefühl und — imFall es beliebt — auch durch den Geschmack täglichin jeder Wasserheilanstalt ä In Prießnitz zweifelloswahrnehmen kann. Immer mehr studirte Kunstärztebekennen sich, im Geist und in der Wahrheit, alsJünger jenes großen Naturarztes, der die Weihe desGenius zur Ausspendung des größten Segens em-pfing , dessen die Menschheit bisher theilhaftig gewor-
den ist, da nur von ihrem physischen Wohle ihrehöher» Potenzen nachhaltig ausgehen können. Soist in der Nähe des großen Gartens, in Strehlen,unter der Leitung des Dr. Herzog, kürzlich wiedereine Kaltwasserheilanstalt entstanden, und seit einemJahre besteht eine solche unter vr. Stecher zu Kreischaim sächsischen Hofe, wohin man von Strehlen durchden anmuthigen Lockwitz - Grund gelangt. Kreischa,drei Stunden von Dresden, hat eine ungemein rei-zende Lage, welche noch durch geschmackvolle Anlagenerhöht wird. Die Curanstalten selbst, wie die Woh-nungen , sind wahrhaft comfortabel, was wenigstensfrüher von Gräfenberg nicht gelten konnte, und Krei-scha ist eines der lieblichsten Bäder, die es gebenkann. Außerdem bestehen, soviel ich weiß, im Kö-nigreiche Sachsen noch im Bieler-Grnnde, in der soge-nannten Schweizermühle (sächsische.Schweiz) und zuHohenstein bei Chemnitz Wasserheilanstalten. Mögenderen immer mehrere angelegt werden, und tüchtigeWasserärzte mit Gräfenberger Principien ihre Leitungübernehmen; denn Prießnitz, der Großmeister derHydriatik, kann mit seinen Kräften fast nur noch fürden Kreis der höchsten Standespersonen ausreichen,der vorzugöwcis ihn auf seinem Berge Hülfe suchendumzieht. Eben hör' ich, nach einer brieflichen Pri- .vatmittheilung, daß er, welcher so viele Kinder vomScharlachfieber befreite, jetzt seinen eigenen Sohndaran verloren hat.
Die bekannte akrobatisch-athletische Ge-sellschaft des Michael Averino, die man wohleinzig in ihrer Art nennen kann, hat, wie überall,auch hier Anerkennung, nicht aber sonderlich ihreRechnung gefunden. Der auf Farbe haltende Di-rettore würde sich sonst kaum entschlossen haben, wäh-rend des so eben begonnenen Vogelschießens nebenniedern Gauklern auf der Vogelwiese Vorstellungenzu geben. I. K r.
lü Aus der Schweiz. — DahlmannSRufnach Bern. — Die theologischeLehr-freiheit in Zürich. — Die Gesellschaftder Naturforscher. —DerAntisteSHur-t er. — Die Universität Bern wird Hrn. Pros I)e.Kortüm, diesen ausgezeichneten Geschichtslehrer,verlieren. Er folgt einem Rufe nach Heidelberg.Wie verlautet, ist nun von einem an Hrn. Dahl-mann, ehemal. Professor in Göttingen, zu erlassen-den Rufe nach Bern die Rede.
Der Große Rath von Zürich hat in seinem jüng-sten Schulgesetze die Lehrfreiheit der Theologen ander Hochschule dadurch bedingt, daß sie innerhalb derSchranken des biblischen Christenthums bleiben müsse.Die theologische Facultät hat sich mit dieser Bestim-mung zufrieden gestellt, die übrigen Facultäten hin-gegen darin eine Gefährdung der Lehrfreiheit findend,haben eine Protestation gegen diese Bestimmung ein-gereicht. Es scheint eine neue Saat zu erfolgreichenZerwürfnissen aufzugehen.
Die Gesellschaft schweizerischer Naturforscher wirdsich auf den 24., 25. und 26. August in Frei bürgunter dem Vorsitz des von den Jesuiten verfolgten undneulich vom König VG Frankreich mit dem Kreuz der.Ehrenlegion docorirten Pere Girard versammeln.
So eben ist erschienen: Der Antistes Hur-ter von Schaffhausen und sogenannteAmtsbrüde r. Diese Schrift giebt ein ergötzlichesLicht über eine theologische Hetze in der sonst unbe-wegtesten Schweizerstadt. Der Mitbürger von Jo,