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und politischer Beziehung ganz zu regeneri-ren, nicht das lebhafte Mitgefühl der gan-zen Menschheit? Der Engländer Urquhart,welcher längere Zeit ihre innern Verhält-nisse studirt hat, ist der vollständigen Ueber-zeugung, daß eine Regeneration der Tür-kei, wenn ihr Ruhe gegönnt wird, sehr gutmöglich sei, und alle Gebildete in Englandhat er zu seiner Ueberzeugung in neuerer Zeithinübergezogen. Es ist daher die schöne Auf-gabe der europäischen Großmächte, ihr dieseRuhe zu verschaffen und wir sind völlig da-von überzeugt, daß wenigstens Preußen undOesterreich mit ihrem neuen Alliirten es gewißaufrichtig meinen.
Nur muß die Sache von einem tiefernStandpunkt aufgefaßt und nichts übereilt wer-den. Gelingt, wie wir zuversichtlich hoffen,die vollständige Regeneration, so wird es derneuen türkischen Regierung an Mitteln undVorwänden spater gewiß nicht fehlen, um denrebellischen Pascha in engere Grenzen zurückzu-führen. Es hieß nur die Oberfläche dieser An-gelegenheit betrachten, wenn man dieselbe nurnach Quadratmeilen entscheiden wollte. Derägyptische Herrscher, der sich bis jetzt nurals ein genialer orientalischer Despot gezeigthat, der alle Kraft in seine Hand concentrirt,kann nimmermehr einem Regenten gegenübermit der Zeit Stand halten, der auf einer freienVolksentwickelung seinen Thron zu gründenfest entschlossen ist.
Unter diesen Umständen und bei dem kräf-tigen Erwachen der Moldau und Walacheikann man wohl die Eile begreifen, mit welcherRußland nach dem Bosporus und nach Con-stantinopel getrieben wird, dieselbe scheint je-doch aus den obigen Gründen nicht eben ab-solut nothwendig zu sein. Die Mächte, welchevon jeher die Wichtigkeit dieser Stellung er-kannt haben, durften nicht zaudern, der Qua-drupel-Allianz beizutreten, um ein so großesUnglück, wie die russische Besitznahme vonConstantinopel ist, noch zeitig zu verhindern.Denn durch eine solche Eroberung wird nichtallein das europäische Gleichgewicht gestört,sondern auch beinahe der ganze deutsche Handelnach dem Orient vernichtet. Nicht allein dasAufblühen der Türkei wird für uns einenhöchst willkommenen Handelsmarkt abgeben,sondern seine Integrität uns die Wege nachentfernter» Regionen offen halten. Auch den-jenigen Humanisten können wir nicht beitreten,welche behaupten, daß durch die Eroberung derTürkei von Seiten Rußlands die Aufklärungim Orient gewinnen würde. Dieser Satz warkaum von den Reformen richtig, ist aber jetzt,
wie wir eben gesehen haben, grundfalsch.Man muß nie vergessen, daß die Türkei keinenerblichen Adel, noch Leibeigenschaft kennt unddie Sklaverei, die übrigens nicht sehr zahlreichist, mit dem Grundeigenthum in keiner Ver-bindung steht und folglich auch viel leichteraufzuheben ist. Wenn es wirklich in demPlane der Vorsehung liegt, daß die Türkeiregenerirt werden soll, daß dies gutmüthigeund nur durch seine Religion irregeleitete Volkeiner glücklichen Zukunft entgegengehe; so istes für die allgemeine Civilisation immer er-sprießlicher, wenn es sich aus seiner eigenenNationalität herausarbeitet.
Wenn es hiernach in politischer, kommer-zieller und socialer Beziehung durchaus noth-wendig war, die Russen von Constantinopelzurückzuhalten; so fragt es sich noch, ob keinanderer Weg, als die Errichtung der Quadru-pel-Allianz einzuschlagen war. Eine be-waffnete Neutralität der Mittei-ln äch t e wäre das einzige Mittel gewesen, denrussischen Strom nach dem Oriente aufzuhal-ten. Allein es fragt sich, ob man in Petersburgeiner solchen Stellung auch die Entschlossenheitder That zugetraut und sich durch dieselbe hatteaufhalten lassen und ob man rn beiden deut-schen Hauptstädten gleich stark von der drin-genden Nothwendigkeit einer solchen Maßregelüberzeugt gewesen ist. Jetzt scheint diese Ueber-zeugung immer mehr Boden zu gewinnen, we-nigstens wurde in einem Artikel, den man ineiner deutschen Zeitung für halb officiell hielt,behauptet, daß Preußen Rußland vonCon st antinopelzurückhalten müsse,damit nicht Frankreich die Rhein-grenze nehme. Durch die vorgeschlagenebewaffnete Neutralität der Mittelmächte würdedasselbe Ziel erreicht werden und man hättenoch den Vortheil einer selbstständigen deut-schen Politik. Wir glauben daher, daß manmit Rücksicht auf den deutschen Bund aufdiesen Standpunkt, ohne seiner Ehre etwaszu vergeben, zurückkehren könne.
Wenn es wirklich wahr ist, daß Frank-reich, wie seine öffentlichen Blätter behaup-ten , in der orientalischen Frage nur wartenwollte, so kann man diese Politik auch auseinem andern Grunde nicht verwerfen. DerPascha von Aegypten, der mit den Franzosenin einem vielfachen Verkehr steht, hatte dieöffentliche Meinung zu einer Zeit schon fürsich gewonnen, als der verstorbene Sultannoch nicht zu europäischen Reformen sich ent-schlossen hatte. Gegen diese öffentliche Mei-nung mußte das französische Ministerium an-kämpfen und es war billig, ihm dazu Zeit zu
gönnen, um die Nation zu überzeugen, daßman es in Stambul aufrichtiger als inAleran-drien mit der europäischen Civilisation meine.
Allein das englische Ministerium scheintjede höhere Berechnung verkannt und nur sei-nen materiellen Vortheil im Auge gehabt zuhaben. Der ungehemmte Weg nach Ostindien,und die versprochene Aufhebung des Vertragesvon Unkiar - Eskelesi von Seiten derRussen, scheint es bestimmt zu haben, einenAlliirten zu verlassen, mit dem die eigene Na-tion stark sympathisirt. Von der öffentlichenMeinung muß es daher auch allein für alleFolgen verantwortlich gemacht werden, weildie östlichen Mächte niemals in solchen intimenVerhältnissen zu Frankreich gestanden haben.Wir wollen übrigens Frankreich und den ägyp-tischen Pascha nicht vertheidigen, wenn siewirklich den Engländern den Transito nachOstindien erschwert haben. Zu dergleichenkleinlichen Mitteln sollte sich keine civilisirteNation in unsern Tagen herablassen. Alleindie Engländer konnten den Pascha auf eigeneHand dafür züchtigen, was Frankreich wederverhindern, noch mißbilligen konnte. Alleineine ganz andere Stellung und Tendenz nimmteine so furchtbare Staatenverbindung wie dieneuere Quadrupel-Allianz an. Wir sind jedochnoch immer der Meinung, daß es der Weis-heit der Mittelmächte gelingen wird, den all-gemeinen Frieden zu erhalten. Sollte aberdennoch ein allgemeiner Krieg sich entzünden,so würde die europäische Landkarte höchst wahr-scheinlich eine ganz andere Gestalt annehmenund nur so viel kann mit Sicherheit behauptetwerden, daß zuletzt diejenigen den größtenNachtheil empfinden werden, die in den orien-talischen Wirren materielle Vortheile gesuchthaben.
Liebe, Glaube und Poesie.
Eine Rhapsodie in Briefen.Von Theodor Melas.
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Joseph an Klärchen.
Es ist eine schöne Sommernacht; der Voll-mond steigt müde aus einem duftigen Gewölksund zeiget gedankenvoll die halbe Scheibe nur.Das fruchtbare Thal ist schwach nur beleuch-tet und der herrliche Strom rollet in blitzendenWellen die Wiesen hinauf. Ich blicke vomFelsen und verliere mich in den süßen Friedenund denke an Dich, mein liebes Klärchen,die Du in der stillen Natur mir immer sonahe bist.