Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
Seite
491
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Won dieser Zeitschrifterscheinen wöchentlich2 Nummern oder2 Druckbogen. AlleZusendungen werdenmit der Bezeichnung:

„An die Reda-ction des Piloten"unter Adresse derBuchhandlungC. F. Steinacker inLeipzig erbeten.

Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen

Literatur- »nd Völkerzustän-e.

Herausgegeben von der Redaction-es Freihafens.

Man abonnirtaufdenPiloten für den jährli-chen PränumerationS«preis von 8 Thlr.,halbj. mit 4 Thlr.,viertelj. mit 2 Thlr.Pr. Cour. bei allenwohllöbl. Postämternwie in jeder solidenBuchhandlung. Inse-rate werden gegen Ver-gütung von I Gr. fürdie Pctitzeile aufge-nommen , Beilagenmöglichst billig be-rechnet.

UZ 46.

(Ausgegeben am 7. September 1840.)

Verlag von I. F. Hammerich in Alton«. ^

L84«

^ Druck von B. G. Teubner in Leipzig.

Inhalt: Die orientalische Frage. — Liebe, Glaube und Poesie. Eine Rhapsodie in Briefen von Theodor Melas (Fortsetzung). — Literatur: Enghicn,Trauerspiel von Fr. Clemens. —— Vermischte Nachrichten. Aus Stuttgart: Das Theater in Cannstadt. Ein Kindertheater. Literarische Neuigkeiten. —Aus Hamburg: Die Eisenbahn nach Bergedorf. Die Vermehrung der Fremden. Die Landschullehrer. Die Oeffentlichkeit des Finanzwesens. — AusDänemark: Das Streben nach der Repräsentativ - Verfassung. — Aus der Schweiz: Der Lectionskatalog der Universität Bern.

Die orientalische Frage.

So lange der Krieg noch nicht erklärt ist,erscheint es eine unerläßliche Pflicht der vater-ländischen PuLlicistik, durch eine freimüthigeDiskussion zur Beseitigung der eingetretenenVerstimmungen nach Kräften beizutragen.Nur in dem entgegengesetzten Verfahren oderin der Verdächtigung der öffentlichen Erörte-rungen könnte man eher ein tadelnswerthesBenehmen und eine Vernachlässigung seinerPatriotischen Pflichten erblicken. Nur dannist es eine heilige Pflicht zu schweigen, wennnicht mehr die Gründe der Ueberzeugung; son-dern lediglich die Gewalt der Waffen den Aus-schlag geben sollen.

Bei der Erörterung dieser verhängnißvol-len Frage, die unsern seit fünf und zwanzigfriedlichen Jahren erworbenen Wohlstand zuvernichten droht, müssen drei Momente beson-ders scharf in's Auge gefaßt werden: 1) diemögliche Regeneration der Türkei,2) die Besetzung Constantinopelsund des Bosporus von Seiten derRussen und endlich 3) derTransito-wegderEngländerüberSyrienoderSuez nach Ostindien.

Was die Regeneration des osmanischenReiches betrifft, so haben allerdings ältereReisende, wie der General Seb ästiani, der

früher eine glänzende diplomatische Missionin Conftantinopel erfüllt, aus überzeugendenGründen seinen gewissen Untergang vorausge-sagt. So viel steht auf jeden Fall fest, daßdasselbe einem mächtigen auswärtigen Staate,der nach europäischen Grundsätzen militairischorganisirt ist, mit Erfolg nicht widerstehenkann.

Allein eine ganz andere Frage ist es: obsich die Osmanen nicht regeneriren werden,wenn man ihnen Ruhe und die für jede poli-tische Metamorphose nothwendige Zeit läßt.Diese Frage müssen wir zu ihrem Vortheil be-jahen ; unsere Gründe sind folgende.

Im Allgemeinen ist weder die Regenera-tion eines Subjects, noch einer Gesammtheitabsolut unmöglich, so tief auch beide gefallensein mögen. Es kommt nur lediglich daraufan, daß man das Uebel vollständig erkenne,sowie den Willen und die Kraft besitze, denneuen Weg konsequent zu verfolgen. BeidePrämissen, man muß es zu ihrem wahrhaftenRuhm sagen, sind bei den Türken jetzt reichlichvorhanden. Sie erkennen ohne Rückhalt an,daß ihnen Europa in geistiger und materiellerKraft weit überlegen ist. Alle gebildeten Tür-ken sind nur von dem Geiste beseelt, ihr Vater-land zu verjüngen, damit es eine würdigeStellung Europa gegenüber einnehme. Dietürkische Regiexung hat ihrem mächtigen und

rebellischen Pascha nicht allein eine mate-rielle, sondern auch eine geistige Ent-wickelung entgegengesetzt. Hierher rechnenwir besonders den Traktat mit England undFrankreich, wonach der innere Handel und dieGewerbe der Staatsangehörigen frei wurden;der HattischeriffvonGulhane, worindie Basis zu einem europäischen Staatsrechtgelegt ist, und endlich das neue Criminalrecht,das besonders gegen die Willkür der Provin-zial-Beamten gerichtet und ausdrücklich unterden Schutz des Volkes gestellt ist. Merkwür-dig ist eine andere Erscheinung, die Jeden zuwettern Betrachtungen auffordern muß, daßdie Constitution von Gulhane bis jetzt in denProvinzen noch keine Revolution veranlaßthat. Die jüngst in Conftantinopel entdeckteVerschwörung, die in ihrem Ausbruche miß-lungen ist, kann nur von der ohnmächtigenPartei der Janitscharen ausgegangen sein undist nur dazu geeignet, die Kraft der Regierungnoch mehr zu erhöhen. Schon die frühereVertilgung der türkischen Pratorianer, dieUmwandlung der ganzen Volkstracht beweisthinreichend, welche große Macht der verstor-bene und allgemein bedauerte Sultan zu errin-gen gewußt hatte. Und welche große Fort-schritte sind nicht erst seit seinem Tode gemachtworden? Verdient ein Volk, das alle religiöseVorurtheile bei Seite setzt, um sich in soci^er