Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
Seite
499
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Von dieser Zeitschrifterscheinen wöchentlich2 Nummern oder2 Druckbogen. AlleZusendungen werdenmit der Bezeichnung:

„ An die Reda-ction des Piloten"unter Adresse derBuchhandlungE. F. Steinacker inLeipzig erbeten.

Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen

Literatur- «nd Völkerzuftän-e.

Herausgegeben von -er Redaction-es Freihafens.

Man abonnirtaufdenPiloten für den jährli-chen PranumerationS-preiS von 8 Thlr.,halbj. mit 4 Thlr.,vicrtelj. mit 2 Thlr.Pr. Cour. bei allenwohllöbl. Postämternwie in jeder solidenBuchhandlung. Inse-rate werden gegen Ver-gütung von I Gr. fürdie Petitzeile aufge-nommen , Beilagenmöglichst billig be-rechnet.

M47.

(Ausgegeben am 10. September 1840.)

Verlag von I. F. Hammertch in Alton«. ^

184 «

^ Druck von B. G. Teubner in Leipzig.

Inhalt. Literatur: vr. Heinrich Werner, die Schutzgeister oder merkwürdige Blicke zweier Seherinnen in die Geisterwelt. — England und Irland inihren Beziehungen. — Aus einem historischen Tagebuch. (Napoleons erster Brief. Graf Montgelas. Das baier'sche Concordat.)

Literatur.

Die Schutzgeister oder merkwürdigeBlicke zweier Seherinnen in dieGeister Welt, nebst der wunderbarenHeilung einer zehnJahre stumm Ge-wesenen durchden Lebensmagnetis-mus und einer vergleichenden Ue-bersicht aller bis jetzt beobachtetenErscheinungen desselben. Von Hein-rich Werner, der Philosophie Do-rt or. Stuttgart und Tübingen. CottaischeBuchhandlung 1839. Preis 3 st.

Der Herausgeber dieser Schrift gehört zuden bekehrten Ungläubigen, die eben so gernevon einem Ertrem zum andern überspringen,als wie die vorn Glauben zum Nichtglaubenoder Unglauben Zurückkehrenden. Wir sahendaher viele enthusiastische Verehrer des Lebens-magnetismus am Anfange dieses Jahrhundertsund in seinen ersten Decennien von: Glaubenan den Lebensmagnetismus und seine imma-terielle Bedeutung plötzlich zum Zweifel undvölligen Unglauben an seine höhere BedeutungHerabsinken — und man sprach und schriebüber dieses verdorbene Gebiet der menschlichenSeele mit eben solcher Verachtung wie kurzvorher mit übertriebener Verehrung. Alle Er-scheinungen desselben wurden jetzt kühn in dasReich der Einbildung und Schwärmerei ver-wiesen. Unserer Zeit aber scheint es gegebenzu sein, den Weg der Erfahrung und Beob-achtung auf gehörige Weise mit der Specula-

tion zu verbinden, und nur so kann die Wis-senschaft auch in diesem Gebiete zu einem glück-lichen Resultate gelangen. Man muß sich alsohüten, während noch häufig die medicinischenSchulen in einer realen oder vielmehr mate-riellen und in einer idealen und rein spekula-tiven Richtung sich gegenüberstehen, sogleichjedem Feldgeschrei, das über neuerrungene Re-sultate in dem einen oder andern Lager erho-ben wird, zu glauben. Denkende Leser, de-nen die höchsten Fragen des menschlichen Da-seins nicht gleichgültig sind, und die aus derGeschichte der Menschheit wissen, wie viel Un-heil sowohl die blos negirenden und abspre-chenden, als wie die blindgläubigen Schulenschon über die arme Menschheit brachten, diesie bald dahin, bald dorthin zerrten, werdendaher meiner Meinung sein, daß die alte Re-gel der Philosophie und des Christenthums:„Prüfet Alles, behaltet das Beste" auch hierdie beste Führerin sei. Ich greise daher nachjedem Buche, das uns über das Gebiet unse-res eigenen Seelenlebens neue Beobachtungenund Theorien ankündigt, mit lebhafter Neu-gierde und ich habe keines aus der Hand ge-legt, ohne Etwas gelernt zu haben. Die Pro-duktionen eines Kerner und eines Eschenmayerhaben mir gezeigt, wie auch der philoso-phisch gebildete Arzt zuletzt, wenn er sich zusehr von Lieblingsstudien dahin reißen läßt, inseinem Lieblingsgebiete zum Schwärmer wird,

der sich ganz von siren Ideen beherrschen läßtund zuletzt sich und seine Wissenschaft der Welt(die ihn nicht philosophisch auffaßt) zum Ge-spötts macht; ja selbst das Heiligste und Ehr-würdigste, die Religion, der er durch seineBemühungen einen nicht geringen Dienst zuleisten glaubt, und deren Dogmen er sogar zurEvidenz zu bringen sucht, in ein Gebiet hin-einzieht, in welchem sie der Profanation nichtentgehen kann. Würden der Unglaube unddie systematische Zweifelsucht nicht ebenfalls soweit sich versteigen, daß sie am Ende, beiihrem höchsten Ziele anlangend, nichts alseine traurige Selbstvernichtung des menschli-chen Geistes und damit auch aller seiner Spe-kulationen darlegen können, so wäre das reli-giöse Gefühl oder die Ahnung einer höh^rnWelt, welche glücklicher Weise nicht blos dasEigenthum der Philosophen von Beruf, son-dern der Instinkt jeder gesunden Seele ist,längst schon unter den Trümmern der philo-sophischen Systeme wie der vielen dogmati-schen Kirchen und Kirchlein, die sich alle alsdie alleinseligmachenden ankündigten, begra-ben worden.

Der Verfasser erzählt zuerst, Vorrede S.

I — XV, wie er aus einem ungläubigen Ver-ächter des Somnambulismus ein gläubigerVerehrer desselben geworden sei. Die aufmerk-same Beobachtung einer Somnambule, dieEschenmayer behandelte, hat ihn zu einer an-