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dern Ansicht gebracht. Die Somnambule sagteihm gleich beim Eintritte — welch ein Un-glück ihm beim Schlittenfahren mehrere Stun-den vorn Orte begegnete — wie ein lang nichtmehr gesehener Vetter aus Hanau zu Hechin-gen, ohne daß beide Vettern sich kannten, ihmbegegnete — daß dann der mit dem Schlittenvertauschte Wagen beinahe umwarf und beider Einfahrt in Tübingen ein trunkener Po-stillon ihn aufhielt rc. Davon habe der ebenAngekommene noch mit keinem Menschen ge-sprochen. An dem Berichte des Buches, dassich auf gegenwärtige Zeugen beruft und dessenVerfasser sich durch alle Blätter hindurch alsein sehr ruhiger und ganz aufrichtiger Beob-achter und Erzähler beweist, kann nicht gezwei-felt werden. Es ist eine Absurdität, wennJemand so ehrlichen Zeugen gegenüber sagenwollte, dieses Alles ist Trug und Täuschung.Eben so giebt ihm die Somnambule eiue rich-tige Beschreibung eines jahrelang andauerndenMagenübels. Die Thatsachen des Fernsehensim Raume als wie des Durchschauens Anderersind also jetzt schon dem Verfasser unleugbar.Daß der Verfasser wie jeder Proselyte zumEiferer in seiner neuen Glaubenssphäre undin dem neuen Gebiete psychischer Forschungenwird, kann ihm Niemand verargen, aber über-trieben und ganz unbescheiden ist der Eifer,mit welchem er in dem übrigen Theile derVorrede über die durch Herrn Professor F.Fischer in Basel herausgegebenen Schriften,über den Somnambulismus, herfällt. Hr. Fi-scher, Professor der Philosophie, hatte es miteinem lobenswerthen Eifer unternommen, ineinem Cyklus populair gehaltener Vorträge ei-nem sehr gemischten, besonders aber von Frau-enzimmern stark besuchten Auditorium Auf-schlüsse über das Wesen und die Erscheinungendes thierischen Magnetismus zu geben. Erhat sich dabei nicht blind an irgend eine Schulegehalten, sondern sich wirklich viele Mühe ge-geben, seine Ansichten und das aus fleißigerLectüre Gewonnene in ein System zusammen-zustellen. Hat nun derselbe bisweilen auchüber entgegengesetzte Ansichten kurz abgespro-chen, so hätte eben deswegen unser Verfassernicht in ebendenselben Fehler verfallen, undgleich vornherein die ganze Theorie diesesehrenwerthen Forschers eine haltlose, mitPomp und affectirter Genialität in dieWelt getretene, nennen sollen.
Er sucht dann auf vier Blättern die ganzeAnsicht des Professors umzustoßen, aber Nie-mand wird es glauben, daß ein drei Bändestarkes Werk in einer so kurzen Recension ab-gethan werden kann, und der Verfasser würde
sich wohl auch nicht des Lachens enthalten kön-nen, wenn ein Recensent sein 624 große Octav-ftiten füllendes Werk in einer eben so kur-zen Recension widerlegen wollte. Unsere Leserdürfen nun in seinem Werke nicht eine blosunterhaltende Erzählung der bei einer Som-nambule vorgegangenen Erscheinungen erwar-ten. Der Verfasser hat sich einen verdienstli-chern Zweck gesetzt: er sucht eine möglichst voll-ständige Theorie des thierischen Magnetismusmit seinen Erscheinungen damit zu verbinden.Die Einleitung S. 1—50 ist daher ganz phi-losophisch gehalten. Er erklärt sich mit Rechtgegen die materialistische ungläubige Schuleder Philosophen und Aerzte, aber wenn ervon dem Somnambulismus eine höhere Be-stätigung oder gar Vervollständigung der Of-fenbarung in seinem Sinne erwartet, so möch-ten wir diese Meinung nicht theilen. Er istim Grunde ganz Schüler von Eschenmayer,dessen Grundausichten über Gott und sein Ver-hältniß zum Menschengeiste, Offenbarung undSelbstbewußtsein, er auch S. 5—10 anführt.Wer daher Eschenmayers System kennt, kenntauch das des Verfassers. Es ist eben so dun-kel und mystisch, geistvolle Blicke wechseln mitkühnen Einbildungen und Träumereien. Washier zu Gunsten des Christenthumes über Geist,Seele, Nervengeist und das Leben im Leibegesagt wird, kann der Pantheist mit seinenConseguenzen eben so gut für sein System an-wenden. Als Beleg z. B. nur den Satz S.29: „Alles was ist, hat seinen Ursprung imhöchsten Geiste. Die Materie, also dasganze Universum ist ManifestationGottes. Nichts außer ihm besteht für sich,sondern nur in Beziehung auf ihn rc." Es istdaher eine große Täuschung, wenn man Eschen-mayer und seine Schule als eine sogenanntefromme, die Speculation verachtende, christ-lich orthodore verschreien will, eine noch grö-ßere Selbsttäuschung, wenn diese Schule undihre Anhänger sich für die allein christlich-gläubige erklären und andere ihr nicht nach-betende Denker für ungläubige Christliche er-klären will. Ein orthodorer christlicher Theo-log wird auf jedem Blatte dieser Einleitungeine Ketzerei finden können! Mit gleichemRechte, wie diese Schule einen Schönleinund seine Richtung unchristlich nennen mag,nannte daher Schönlein diese Schule eine un-christliche und doch haben beide Theile unrecht— warum? Weil das Christenthum dasnicht ist, was die Philosophen und Theologengewöhnlich daraus machen. Das Verdienst-vollste am ganzen Werke — und das, wasman auch noch in keinem andern Werke der
Art in solcher Vollständigkeit und mit solchemFleiße gesammelt findet, ist uns der zweiteHaupttheil mit der Aufschrift: „Skizze zurCharakteristik und der Theorie der lebensmag-netischen Erscheinungen." Hier hat der Ver-fasser einen wahrhaft deutschen Gelehrten-Fleißgezeigt und wer daher in solchen Schriftennicht blos gemeine Neugierde befriediget findenwill, sondern Aufschlüsse für die physische uudpsychische Anthropologie sucht, wird dem Ver-fasser für diese Arbeit sehr dankbar sein. DerVerfasser nennt diesen zwei Drittheile des Gan-zen umfassenden Abschnitt sehr bescheiden nureine Skizze, aber es ist eine wirklich sehrvollständige Theorie des Lebensmagnetismusnach den drei bekannten Abschnitten: dasphysiologische, das psychologischeund das pneumatische Problem. Der Ver-fasser giebt dabei einen Auszug aus dem ange-sehensten Theile der neuern und ältern Litera-tur seines Gegenstandes, doch natürlich nichtohne Vorliebe für seine Geistesverwandten.Jede Behauptung, die er aufstellt, ist mit Bei-spielen und Beobachtungen belegt. Den größ-ten Nachdruck legt er aber, wie man schon ausdem Titel des Buches sieht, auf die Ansicht:daß den Somnambulen auch Blicke über diesenErdkreis hinaus in das höhere Geisterleben ge-gönnt seien.
Auch seine Somnambule wandert nicht blosauf dieser Erde herum, sondern sie erhebt ihreFlügel über die Atmosphäre der Erde unddurchwandert den Mond, die Sonne und an-dere Gestirne. Der Verfasser giebt sich da-her auch viele Mühe, uns alle Erscheinungen,welche seine Somnambule in der Oberwelthatte, genau zu erzählen. Seine Somnambulehat einen Schutzgeist, Albert, der beständigim höchsten Grade ihres magnetischen Schla-fes bei ihr ist, sie in den Mond und in dieSonne begleitet, ihr dort die abgeschiedenenSeelen zeigt rc. Dem Beweise, daß die Som-nambulen wirklich mit Genien, Führern, Gei-stern in einer andern Welt umgehen, und daß siesich wirklich aus ihrem Körper entfernen und indie Sonne rc. wandeln, widmet er S. 428—536.Man sieht also die Vorliebe des Verfassers zudiesem schönen Glauben. Aber auch dieselbeArmuth an thatsächlichen und unumstößlichenBeweisen für seine Theorie, für dieses Fernse-hen der Somnambulen finden wir bei ihm, wiein den frühern Erzählungen der Art. Wenn derZweifler hier nach objectiv gültigen Beweisenfragt, so fällt die ganze Theorie in ein schö-nes Phantasiebild, welches sich die Seherinvom Himmel und von dem Aufenthalt derSeligen macht, zusammen. Kurz es ist uns