Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
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501
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kein Blick in das Leben jenseits gegönnt, undder Schleier, welchen der Stifter des Christen-thums über dem Jenseits außer der einfachenVerheißung: „wir werden auch über dem Grabefortleben und einem hier verdienten Schicksaleentgegengehen" liegen ließ und wohl, wie wirals gute Christen sagen dürfen, mit weiser Ab-sicht liegen ließ, wird auch von den Freundendes Lebensmagnetismus so wenig gelüftet wer-den, als sie uns einen genügenden Schlüssel zurOffenbarung Johannis geben werden. Mandenke sich auch nur die Störungen und Irrun-gen, die in diesem Erdenleben entstehen müß-ten, wenn uns die Somnambulen wirklich vondem Schicksale verstorbener Personen berichtenkönnten. Welche Quelle für die Schaden-freude, für Neid, Mißgunst, Verleumdung derLebenden läge in diesen Nachrichten. Wieganz dem Geiste des Christenthums widerspre-chend wären die Nachrichten für uns darüber,wie die Geister und Bewohner anderer Weltenaussehen, welche andere Geschöpfe, Pflanzen,Thiere dort leben, welche Sprache sie reden,wie sie auch dort Unterricht geben, Schule Hal-ten u.s. w. — Würde es uns bei dieser Lectürenicht eben so ergehen wie dem armen Vorsän-ger, welchem der Geistliche soviel von himm-lischen Gesängen vorerzählte und welchem dersich nach Erlösung von seinem Brodfach ver-langende Sterbende antwortete: „Ach Gott,auch im Himmel muß ich singen!" Doch es istdafür gesorgt, daß diese Verirrungen desMagnetismus ihre gute Grenze haben. Wirfinden auch hier auf solche neugierige Fragendie gute Antwort: „Das könnt ihr nicht fassen,das darf der Geist euch nicht sagen, das kannich euch nicht beschreiben." So sehr es Thor-heit wäre, das Fernsehen im Raume und inder Zeit (selbst in die Zukunft) ableugnen zuwollen, weil unleugbare Zeugnisse dafür spre-chen, eben so sehr ist es uns erlaubt, diese Ge-spräche mit Geistern und dieses Wandeln inder Sonne u. s. w. für Träume und subjektiveEinbildungen der Somnambulen zu halten,und auch dieses Buch hat uns in dieser An-sicht nur noch mehr bestärkt.

Wir wissen wohl, mit welchem Wohlge-fallen ein großer Theil des lesenden Publi-kums solche Nachrichten aufnehmen, und wiebesonders der mit dem römischen Katholicis-mus, mehr als er selbst glaubt, verschwittertePietismus solche Nachrichten von einem Mit-telreiche, von einem Läuterungszustande derSeelen aufnimmt, wie selbst dadurch Projek-ten für den römischen Kirchenglauben von demReinigungsacte gewonnen werden, das küm-mert uns aber weniger, als die Beweise, welche j

der böswillige Unglaube gegen die Möglichkeitjeder Offenbarung und gegen die so rein mora-lischen Lehren des Christenthums von dem Jen-seits macht. Wenn einige dumme Menschenoder nervenschwache Seelen oder einige schön-geistige Phantasiemenschen sich, von solcher Le-ctüre erhitzt, einer Kirche in die Arme werfen,deren Oberhaupt die Schlüssel zum Fegfeuerhaben will, so bekümmert uns das wenig, auchin dieser Kirche finden sich Lehrer, die Kernund Schaale ihrer Confesfion zu unterscheidenwissen; wenn aber manche Halbgebildete durchsolche Lectüre zum materiellsten Unglauben ver-leitet werden und zuletzt nicht nur die christlicheLehre von der persönlichen Fortdauer des Men-schen und einer richtenden Gottheit, sonderndie ganze moralische Weltordnung für ein al-tes Feenmährchen halten, so scheint uns diesesein großes Uebel zu sein, welches solche Schrif-ten, allerdings gegen den Willen ihrer Ver-fasser, anstiften. Aber ich meine doch, sie soll-ten über die Möglichkeit solcher Folgen undWirkungen nachdenken und in ihren Mitthei-lungen vorsichtiger sein und ihre Beobachtun-gen schärfer prüfen. Als Beleg unserer Be-hauptungen über die Mittheilungen aus derSternenwelt hier nur eine Stelle: Aus derBeobachtung am 19. Mai S. 87.

„Ist Albert da ?" Ja freilich, der will michmit sich in die Sonne nehmen, was grade jetzt,wie er sagt, gut für mich sei. (Pause.) Jetzterhebt sich Albert mit mir. Er ist heute garschön; (zu mir besonders) lege deine Hand etwasfester auf die Herzgrube. (Pause.) Diesmalvermisse ich den Kranz, den ich sonst auf mei-nes Alberts Haupte sah. Dafür hat er heuteeinen Stab, worauf die Worte stehen: „Auchfür dich Erlösung!" Siehst du die Worte aufseinen Stab geschrieben? Nicht geschrieben, siesind nur auf demselben. In deutscher Schrift?— „O, nein mit himmlischen Zeichen, die mitunsern Sprachlichen gar keine Aehnlichkeithaben." — Doch haben diese Zeichen, wennes solche sind, eine gewisse Form? — „Jawohl, aber hier ist nur ein einziges Zeichen,das die Bedeutung hat, welche ich dir nannte.Ich kann dir davon jetzt nichts Näheres sagen;vielleicht später kann ich es erklären. Auchwürde michs körperlich zu sehr anstrengen,wenn ich eine Erklärung versuchen wollte, un-geachtet ich besondere Stärkung in der Sonneempfange. (Pause.) Ueberhaupt kann man dasnicht eigentlich erklären, weil Alle, die nichtin meinem Zustande sind, keinen Begriff vondem haben, was da vorgeht, wo ich bin. Ichkann es selbst nicht aussprechen. S. 94. Nach-dem sie erzählt hat, daß Albert eine Blumen-

knospe auf ihre Hand warf, beschreibt sie dendadurch verursachten Schmerz also: „Glaubemir, der Eindruck war auf die Seele viel star-ker, als auf den Körper; dieser fühlte ihn wieeinen elektrischen Schlag. Auch dein Lebens-stern hat mich in die Sonne begleitet. DieBlume übte einen Ausdruck auf mein Seelen-wesen aus, dessen Art ich nicht begreifen undbezeichnen kann; ich hatte nie ein ähnlichesGefühl. Es war nicht Fall, nicht Druck, nichtStoß: ich weiß dem keinen Namen zu geben:aber die Rückwirkung auf meinen Körper warmir fühlbar gerade so, wie die Seele ihn beieinem plötzlichen Schlag auf den Körper em-pfindet, wobei sie sehr erschrickt."-

F.i-

^ England und Irland in ih-ren Wechselbeziehungen zueinander.

vlsclts justitiam monitl!

Aufs neue und kräftiger als jemals läßtO'Connell in der alten Hibernia den Repeal-ruf erschallen; er fordert zu allen gesetzlichenMaßregeln auf, um die Union zwischen Ir-land und England zu trennen und herbe Kla-gen über die Unbill, die ersteres fortgesetzt vonEngland erfährt, werden laut. Leider mußman gestehen, daß sie nur allzugegründet sind,und, wenn irgend die Nemesis waltet, muß anEngland gerächt werden, was es an Irlandverbrochen hat.

Die alte Hibernia hatte sich, trotz der ge-ringen Entfernung von England, freigehaltenvon dem Joche der Römer. Sie blieb frei bisin das 12. Jahrhundert, in einzelne Stämmezerfallend, die unter von einander unabhängi-gen Oberhäuptern standen und sich gegenseitigbefehdeten.

Zu der gedachten Zeit wendete sich ein ver-triebener Fürst aus Leinster nach England anHeinrich den Zweiten, um mit seiner Hülfewieder in den Besitz seines Erbes zu gelangen.Heinrich war nur zu bereit zur Hülfe, und esgeschah, was allemal geschieht, wenn zu Be-seitigung innerer Zerwürfnisse der Ausländerzu Hülfe gerufen wird: die Engländer durch-zogen die ganze Insel, unterwarfen sich die-selbe, und behandelten sie wie ein erobertesLand. Ein Statthalter wurde dahin geschickt,und die Regierung wurde aus englischen Be-amteten zusammengesetzt.

In den Kriegen zwischen der weißen undrothen Rose erklärten sich diese Beamteten für