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und sieht etwas angegriffen von seinen letztenReisestrapazen aus. Seine Abyssinierin hat erin Muskau zurückgelassen. Das arme Geschöpfist sehr krank und wird wahrscheinlich bald einOpfer des europäischen Klima's werden. *—
—* Heinrich Laube beschäftigt sicheifrig mit Studien über das litterarischeFrankreich. Diese Literatur zu schildern,möchte Laube ganz vorzüglich befähigt sein.*—
—* Unter den preußischen Officieren regtsich jetzt eine gewaltige Kriegslust. Selbst vonhöheren Militairpersonen, die aus alter Schuleund Erfahrung herstammen, vernimmt manjetzt Aeußerungen, welche auf eine keineswegsoberflächliche kriegerische Stimmung schließenlassen. Mit Erstaunen bemerkt man jetzt plötz-lich, wie Frankreich durchaus keine Sympa-thien mehr in Deutschland hat. *—
—* In Berlin ist bei dem großen An-dränge der Fremden, welche die Huldigungherbeigerufen, augenblicklich eine Theuerungder Lebensrnittel eingetreten. *—
—* Die Cabinetsordre des Königs vonPreußen vorn 4. October ist eine ent-schiedene Erklärung gegen die constitu-tionellenSophistereien, in denen sichmehrere Journale hinsichtlich der Vorgänge inKönigsberg herumbewegt haben. Diese Jour-nale mögen das in guter und an sich lobens-werther Absicht gethan haben, sie stellten sich,als glaubten sie gar nicht an die entschiedeneVerneinung der Principienfrage, welche derSchluß des königsberger Landtags-Abschiedesenthält und überließen sich ganz willkürlichenDeutungen über die Meinung des Königs, ausder sie durchaus eine Hoffnung für die konsti-tutionelle Gestaltung der preußischen Verfas-sung herausbringen wollten. In solchen Din-gen sollte man sich aller Sophistereien enthal-ten, weil die Sache selbst dabei Schaden nimmt.Dieser Schaden ist nun auch eingetreten. JeneCabinetsordre vom 4. October giebt die aus-drückliche Erklärung der Königs: daß er inKönigsberg keineswegs seine Zustimmung zuder Verordnung vom 22. Mai 1815 ge-geben habe. Diese Verordnung Friedrich Wil-helms III. ist aber das eigentliche konstitu-tionelle Testament Preußens und läßt keinenZweifel übrig, daß der hochselige König da-mals den Artikel 13 der Bundesacte nicht an-ders als im Sinne einer modernen volksthüm-lichen Laiidesvertretung verstanden habe. Der
ausdrückliche Sinn der Cabinetsordre vom4. October ist daher ein folgenschweres Ereig-niß, das nicht ernsthaft genug aufgefaßt wer-den kann. Nebenbei ist sie allerdings auch einerfreuliches Zugeständniß an die Oefsentlich-keit und Offenheit des Worts, und ebendarumläßt sich erwarten, daß sie nicht auch die al-lerletzte Instanz für die Entscheidung unsererVerfaffungsfrage sein wird. *—-
—* Die von Madame Crelinger zum Ge-burts- und Huldigungsfeste des Königs im ber-liner Theater gesprochene Rede ist von Lud-wig Tieck gedichtet. Der greise Dichter hatdadurch das erste Zeichen seines neuen Ver-hältnisses zu Berlin an den Tag gelegt. *—
Pietistische Mittheilungen.
1 .
Wie ein pietistischer Schneider inBerlin die Taschen füttert.
Neulich bekomme ich meinen Rock vomFlickschneider zurück, ich ziehe ihn an, gehe ineine Gesellschaft, und da ich eben im Begriffbin, mein Taschentuch herauszuziehen, wasfällt mir da aus der Tasche? Siehe da! einTractatchen: „Beweis für die Wahrheitdes Christenthums", von der nieder-sächsischen Gesellschaft zur Verbreitung christ-licher Erbauungsschriften. Wie ein Blitz fuhres mir durch den Sinn: das hat dein pietifti-scher Schneider — denn als einen Pietistenhatte ich ihn schon beim ersten Anblick anMiene, Stimme, Gang und Haltung kennenlernen, — gethan, um dich, den er gewiß fürein Kind dieser Welt, für einen verlorenen undverdammten Sünder hält, zu bekehren pndzu erretten. Doch, um meine Vermuthung zurGewißheit zu erheben, schickte ich binnen Kur-zem wieder einen Rock zum Schneider, undsiehe da! als ich ihn zurückerhielt, was stecktein der linken Tasche? — „SimonFlade,der Inv alide", vom Hauptverein für christ-liche Erbauungsschriften in Berlin. — „ DieKinder dieser Welt sind klüger, denn die Kin-der des Lichts, in ihrem Geschlecht" sagt derHeiland Luc. 16, 8. Dieses hatte sich derfromme Schneider gewiß zu Herzen gehen las-sen, und ersann darum jene unschuldige List,um seine Kunden vom Tode zu erretten undfür das Reich Gottes zu gewinnen. Der Merk-würdigkeit wegen will ich hier Einiges aus denbeiden genannten Schriften mittheilen.
Höchst erbaulich ist die Geschichte vonSimon Flade, dem Invaliden. Wem seine
Suppe, heißt es hier, nicht behagen will, weilkeine Semmelklöschen oder Hühnerleberchendarin sind, oder weil er sonst nicht weiß,warum? der gehe nur hin und lasse sie sichvon Simon Flade kochen, der ein Kochwar, wie es keinen mehr giebt, obgleich ersich nur auf Wassersuppen oder höchstens aufMehl- oder Biersuppen verstand. Aber er be-reitete sich diese mit dem Salze der Arbeit undmit dem Schmalz der Zufriedenheit, die nochüber die des vielberühmten Johann, des Sei-fensieders, ging, der vielleicht alle Tage Fleischzu seiner Suppe hatte, während es unseremSimon nur an Sonn- und Festtagen imTopfe wuchs. So ein gottvergnügtes Lebenhat wohl nicht leicht ein Mensch bei Braten,Wein und Kuchen geführt, als SimonFlade bei seiner magern Kost, zuweilen nurWasser und Brod. Da saß er, vormals einkleiner Held im siebenjährigen Kriege, nun einehrlicher Schuhflicker, in seiner Lehmhütteund flickte vom frühen Morgen an, daß derPechfaden nur so pfiff, und sang sein: „Wach'auf, mein Herz, und singe dem Schöpfer allerDinge," daß Einem, wenn man gerade vorbeiging, das Herz auch aufwachen und aufgehenmußte. Und obgleich er sich am Abend oft nureinige wenige Gröschchen erstickt hatte, so lau-tete doch sein „Sei Lob und Ehr' dem höchstenGut" eben so froh und dankbar, als ob es füreben so viele Thaler gewesen wäre. Zwarbekam er für den Schappfuß, auf den ihn dieSchlacht bei Torgau gefetzt hatte, als Schmier-und Schmerzensgeld einen Invaliden-Sold;allein der reichte gerade hin, ihm die Löcher inHütte, Hosen und Strohsack zuzustopfen, undden alten Soldatenrock, in welchem er all-sonn- und festtäglich in Kirche und Dorf sichund den Leuten und wohl auch dem liebenGott gefiel, bei Stand und Ehren zu erhalten.Obgleich nun also Schmalhans im strengstenSinn bei ihm Küchenmeister war, so mochteer doch mit Herrn Wohlleb oder Herrn Wohl-schmack keineswegs tauschen, und hatt's auchnicht nöthig. Denn er hatte mit dem liebenGott einen besondern Contract gemacht, nachwelchem Simon für den heutigen, der liebeGott aber für den morgenden Tag sorgen sollteund so konnt' es denn Beiden an keinem Tagefehlen; jenem nicht an der magern Suppe mitsonntäglichem Fleische, diesem nicht am Schön-dank mit obligatem Lobgefang. Hunger undKummer fanden also in Simons Lehmhüttekeine Herberge; dafür war er aber für Froh-sinn und Gutmuth ein wahrer Herbergsvater;und merkte er, daß Einer das Maul hing, weilihn der Schuh wo drückte, so sprach er zu ihm: